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Im Leben getrennt. Im Sport vereint?

Südkoreas Staatspräsident Moon Jae In möchte mit dem verfeindeten Nachbarn aus dem Norden bei den Olympischen Winterspielen 2018 eine gemeinsame Mannschaft bilden

  • Von Daniel Kestenholz, Bangkok
  • Lesedauer: 3 Min.

In Pyeongchang, das ein wenig wie Pjöngjang klingt, finden im Februar 2018 die Olympischen Winterspiele statt. Rund 80 Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernt gelegen, ist der Name aber die einzige Ähnlichkeit mit der Hauptstadt des nördlichen Nachbarn. Wenn es nun nach dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In geht, soll die Grenze zwischen Nord und Süd während der Winterspiele »aufgehoben« werden: Er hat Pjöngjang am Wochenende vorgeschlagen, dass Nord- und Südkorea ein gemeinsames Team bilden, um bei Olympia als vereinigtes »Korea« anzutreten.

Moon machte den Vorschlag bei der Eröffnungsrede zu den Taekwondo-Weltmeisterschaften im südkoreanischen Muju. Nordkorea nimmt zwar nicht teil, doch Pjöngjang entsandte eine hochrangige Delegation - angeführt von Jang Woong, Nordkoreas Delegiertem des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Dass der liberal gesinnte Moon Dialog und Versöhnung mit dem Norden anstrebt, ist nicht neu. Ungewöhnlich dagegen ist, wie direkt der neue Präsident seine Vision von einem geeinten Korea angeht - während Nordkorea mit Raketentests provoziert und die USA die weitere Abschnürung des Regimes anstreben. Moon Jae In steht in der Mitte und versucht, nach Provokationen beider Seiten die Wogen zu glätten.

In seiner Rede erinnerte der südkoreanische Präsident an internationale Wettkämpfe der Vergangenheit, wo beide Teams zumindest zur Eröffnung gemeinsam auftraten. Wie 2000, dem Jahr des ersten innerkoreanischen Gipfeltreffens, als die Delegationen von Nord- und Südkorea gemeinsam ins Olympiastadion von Sydney kamen. Oder vier Jahre später: Bei den Sommerspielen in Athen, liefen sie wieder gemeinsam ein, diesmal unter dem Namen »Korea«, mit einer Fahne, auf der »Korea ist eins« stand. Doch bei den sportlichen Wettbewerben in Sydney und Athen trat jedes Team dann für sich an.

»Ich möchte die gleiche Ehre wiedersehen«, sagte Moon, der den nordkoreanischen IOC-Delegierten Jang in Muju um Zusammenarbeit bat und ihm die Hand schüttelte. Doch Südkoreas Präsident möchte mehr: Er will ein vereinigtes Team Korea, das von Millionen Koreanern angefeuert wird, noch dazu bei »Heimspielen«.

Nordkorea muss erst noch mitteilen, ob es überhaupt an den Spielen in Pyeongchang teilnimmt. Die Sommerspiele 1988 in Seoul hatte der Norden boykottiert. Aber: Wenn es um Sport geht, sind sich die Menschen auf beiden Seiten der schwer bewaffneten Grenze oft ganz nah, feuern das andere Korea an, insbesondere wenn der Gegner Japan heißt, das die Halbinsel einst als Kolonie regierte. Der Sport hatte die verfeindeten Staaten auch 1991 bei einer internationalen Tischtennismeisterschaft und einem internationalen Jugendfußballturnier schon mal zusammengeführt.

Gelingt Präsident Moon der Coup, ein gemeinsames Team zu bilden, würde das zweifelsohne einen Meilenstein in Richtung Tauwetter auf der koreanischen Halbinsel bedeuten. Die letzten hochrangigen Gespräche liegen Jahre zurück, auch sämtliche Austauschprogramme gingen vergessen. Und selbst wenn es im Februar 2018 nicht zur sportlichen Vereinigung kommen sollte, allein die Politik des Dialogs, die Moons konservative Vorgänger jahrelang vernachlässigt haben, ist schon ein großer Schritt.

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