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DDR-Kunstsammlungen werden wieder modern

Die Museen Dieselkraftwerk Cottbus und Junge Kunst in Frankfurt (Oder) sollen ab 1. Juli vereint sein

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Kunstsammlungen in Cottbus und Frankfurt (Oder) sollen ab 1. Juli unter dem Dach eines »Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst« vereint sein. Wenn der Landtag diesen Plänen zustimmt, wird als Träger eine »Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder)« gebildet. Statt der bisherigen 860 000 Euro werden die beiden Sammlungen dann jährlich 1,3 Millionen Euro vom Land erhalten, sagte am Montag Kulturministerin Martina Münch (SPD). Beim städtischen Beitrag von zusammen 500 000 Euro soll es bleiben.

»Das Publikum kann sich auf den Beginn einer spannenden Museumsära freuen«, versprach Münch. Mit der Fusion des Kunstmuseums Dieselkraftwerk Cottbus und des Museums Junge Kunst in Frankfurt (Oder) solle erreicht werden, die Sammlungen besser überregional und sogar international zu präsentieren, fügte die Ministerin hinzu. Als neue Chefin stellte Münch die bisherige Direktorin des Cottbusser Museums, Ulrike Kremeier, vor. Doch werden künftig beide Städte im Stiftungsrat vertreten sein. Die Entscheidung für Kremeier bedeute also nicht, »das Frankfurt über den Tisch gezogen wurde« betonte Münch.

Zusammen verfügen beide Sammlungen über rund 35 000 Werke, von denen die weitaus meisten aus der DDR-Zeit stammen. Nur je zehn Prozent der »beeindruckenden Sammlungen« sind laut Kremeier der Zeit vor 1945 und nach 1990 zuzuordnen. Im Kern gehe es beim neuen Landesmuseum also um ostdeutsche Kunst.

Ihr komme es in der künftigen Arbeit nicht zuletzt darauf an, das »merkwürdige Bild« zu korrigieren, das sich in den vergangenen Jahrzehnten von der DDR-Kunst etabliert habe, sagte die neue Museumschefin. Diese Epoche der deutschen Kunst leide bis heute unter der Hegemonie des westdeutschen Kunstverständnisses. Dies gelte es zu korrigieren. Seinen stärksten Ausdruck hatte die Abwertung des DDR-Kunstschaffens in der Präsentation in der europäischen Kulturhauptstadt Weimar 1999 gefunden, als die DDR-Gemälde an Lkw-Planen und unter einem Dach mit Hitlers Kunstsammlung zusammengespannt, geradezu verächtlich dargeboten wurden.

Die damalige Ausstellung habe »vieles an Gemeinheit und Dummheit gebündelt«, die Werke seien in einem »grottigen Salon« ausgestellt worden, sagte Kremeier. Ihr gehe es nicht darum, die DDR oder ihre Kunst zu konservieren, sondern sie in einen europäischen und weltweiten Zusammenhang einzuordnen. Jüngste Entwicklungen stimmten sie zuversichtlich.

Auf die Frage, warum das Archiv der DDR-Kunst in Beeskow nicht gleich mit unter das Dach der neuen Stiftung gebracht wurde, sagte Ministerin Münch, es handle sich eben um ein Archiv und kein Museum. Mit Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sei man übereingekommen, die in Beeskow lagernden 23 000 Kunstgegenstände der Parteien und Massenorganisationen, darunter Gemälde, Grafiken, Medaillen und Zeichnungen, zu katalogisieren, was noch bis April 2019 andauern werde. Ihr persönlich scheine eher ein Zusammengehen mit der Ausstellung »DDR-Alltagskultur« in Eisenhüttenstadt denkbar, meinte Münch.

Auch der Softwaremilliardär Hasso Plattner sammelt DDR-Kunst und stellt sie neben anderen Werken in seinem Potsdamer »Museum Barberini« aus. Ob sich die staatlichen Sammlungen beim Vervollständigen ihrer Bestände mit dem begnügen müssten, was der finanzstarke Platter ihnen übriglasse, war die Frage. »Unsere Museen sammeln Kunst seit 1965 beziehungsweise seit 1977. Da kann Herr Plattner gar nicht mithalten, er ist keine Konkurrenz«, lautete am Montag die stolze Antwort der Direktorin Kremeier.

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