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Unterirdische Installationen

Höhler-Biennale in Gera

  • Von Michael Hametner
  • Lesedauer: 3 Min.
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Wo Licht ist, ist auch Schatten. Starker Schatten, schreibt Goethe in seinem »Götz von Berlichingen« und hatte physikalisch auf jeden Fall recht. Für die 8. Ausgabe der Höhler-Biennale in Gera stimmt es auch. Sie hat sich das Motto »SCHATTENwelt - LICHTblicke« gesetzt. Seit 2003 werden die jahrhundertealten unterirdischen Bierkeller der Stadt von Künstlern mit Installationen bespielt. Weil die Welt der rohen Wände und niedrigen Decken vollkommen lichtlos ist, kann man mit etwas Licht jeden Schatten werfen und ein künstlerisches Spiel treiben. Man kann Dunkelwelten imaginieren, die Todeszone, Schutzraum oder Versteck sein können, aber auch Versuchslabor und Theaterbühne.

Die Höhler-Biennale verdankt sich dem Engagement des Vereins zur Erhaltung der Geraer Höhler e. V. und hilft, das von Haushaltsanierungskonzepten stumpf gewordene Image der Otto-Dix-Stadt etwas aufzupolieren. 68 Bewerbungen lagen für die aktuelle Biennale vor, 25 sind zur Realisierung eingeladen worden. Die meisten Künstler kommen aus Deutschland, andere aus Finnland, Korea, Belgien, Spanien, Australien und der Schweiz.

Der 1981 in Bonn geborene Daniel Theiler geht auf das zurück, was in diesen Kellern ursprünglich gemacht wurde - Bier. Er hat Hefezellen in Gerstensaft gegeben und die entstehende brodelnde Flüssigkeit als Bild an die Höhler-Decke gebeamt. Die wuchernden Bläschen werden zu einem abstrakten Gebilde. Es könnte - von ganz weit oben betrachtet - ein öffentlicher Platz sein, wo Menschen umherwuseln. Es könnte sich um die Übertragung aus einem Ameisenhügel handeln. Das Werk zeigt überdies Berührungspunkte von Kunst und Wissenschaft. Theiler hat sogar versucht, die Wucherungen der Bläschen in Klänge zu übersetzen. Eine verblüffende Installation.

Anna Debora Zimmermanns transparente Schwimmflügel verteilen sich ungleichmäßig in dem Gewölbe. Die Künstlerin hat aus Industrieplaste Zwei-Zeller gemacht oder fliegende Kapseln, die die Seelen Verstorbener aufgenommen haben. Dazu erklingen Sprachfetzen mit kleinen Geschichten als letzte Botschaften von Toten. Der Ilmenauer Künstler Ambech wiederum hat den Gedanken, dass die sich im Umlauf befindliche Geldmenge alles andere als stabil ist, in eine Installation umgesetzt: Ein Ventilator vermag einen Plastesack, im Innersten wie ein goldener Glutkern illuminiert, auf ein Vielfaches seiner Ruhegröße aufzublasen. Ohne Ventilatorhilfe fällt er wieder in sich zusammen.

Es sind viele Installationen mit nachhaltiger Wirkung zu erleben. Ob die Hammerhaie von Joost Meyer, der Tanz der Skelette der Finnin Hanna Järvenpää oder der gefangene Schatten von Heinz Bert Dreckmann. Aber es gibt auch weniger Gelungenes, wo der Weg vom Konzept zur realisierten Installation missglückt ist. Gespannt darf man sein, wie die Jury wählt, die über den deutschen Installationspreis entscheidet.

Bis zum 15. Oktober

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