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Trashtalk vor dem Tourauftakt

Chris Froome schiebt Richie Porte die Favoritenrolle zu, sieht sich gleichzeitig aber mental im Vorteil

  • Von Tom Mustroph, Düsseldorf
  • Lesedauer: 3 Min.

Chris Froome ist in Angriffslaune. »Ich möchte diese Tour de France aggressiv bestreiten«, sagte er am Donnerstag am Startort Düsseldorf. Doch der dreifache Toursieger sendete auch gemischte, fast schon sorgenvolle Signale aus. »Dieser Kurs ist nicht einfach. Es gibt weniger mir gut liegende harte Bergetappen und Zeitfahrkilometer. Zudem sind meine Rivalen stärker geworden«, meinte der Kapitän des Teams Sky - und verwies dabei vor allem auf seinen Ex-Teamkollegen und Trainingskumpel Richie Porte: »Er ist der derzeit stärkste Fahrer. Er ist einfach in einer Superform.«

Der gepriesene Australier im BMC-Trikot ließ tatsächlich seine Konkurrenz bei den Vorbereitungsrennen Tour de Romandie und Criterium du Dauphiné am Berg und im Zeitfahren stehen. Erst konzertiert Angriffe des kompletten Favoritenfeldes ließen ihn am letzten der Tag der Dauphiné noch um zehn Sekunden hinter Überraschungssieger Jakob Fuglsang (Dänemark) zurückfallen.

Titelverteidiger Froome fuhr in dieser Saison noch zu keinem einzigen Sieg. Vorsorglich eröffnete er in Düsseldorf daher den Nebenschauplatz der mentalen Auseinandersetzungen. »Mir kommt sicher meine Erfahrung entgegen. Drei Toursiege geben Sicherheit. Das könnte ein Vorteil gegenüber Richie sein«, sagte er. Bei nur drei Bergankünften - zuletzt gab es deren vier oder fünf - wird Froome seine Stärken seltener ausspielen können. Deshalb setzt er auf Überraschungsmomente. »Angriffslust kannst du nicht trainieren. Dafür ist die mentale Einstellung wichtig. Und da bin ich optimistisch«, so Froome.

Rivale Porte kommt dagegen im Stimmungshoch angereichert mit etwas Wut im Bauch nach Düsseldorf. »Es war ein schönes Gefühl, die ganzen Jungs dort hinter mir zu lassen«, erinnerte auch er an die Dauphiné. »Ich hatte aber auch den Eindruck, dass es ihnen auf der letzten Etappe gar nicht mehr darauf ankam, selbst zu gewinnen. Sie wollten nur meinen Sieg verhindern. Ich bin darüber immer noch wütend«, meinte Porte - und bezog in die Wut auch Ex-Kollege Froome mit ein: »Wir sind Kumpels, wenn wir vom Rad heruntersteigen. Im Rennen aber geben wir alles gegeneinander.«

Ob in dieses Duell noch jemand anderes eingreifen kann, ist fraglich. Der Kolumbianer Nairo Quintana hat noch die Strapazen des verlorenen Giro d’Italia zu verarbeiten. Romain Bardet, Tourzweiter von 2016, hat zwar so starke Helfer wie nie zuvor an seiner Seite. Wie Froome gelang aber auch dem Franzosen bislang noch kein Saisonsieg.

Anders Astanas Doppelspitze Fuglsang und Fabio Aru. Der Däne scheint wie Porte in der Form seines Lebens. Aru kämpfte sich nach Gesundheitsproblemen im Frühjahr wieder auf Rundfahrtniveau und reist mit dem frisch gewonnenen italienischen Meistertrikot an. Experten zweifeln aber, ob beide die Konstanz für drei harte Wochen aufbringen werden.

Als direkten Kontrahenten fürchten Froome und Porte das deutsche Klettertalent Emanuel Buchmann noch nicht. Der überzeugte bei der Dauphiné zwar, wurde sogar bester Jungprofi und ließ Froome hinter sich. Seine Tourambitionen aber sind begrenzter. »Meine Aufgabe ist es, Rafal Majka zu unterstützen«, sagte der 24-Jährige. Gegen eine gute Platzierung im Klassement, vielleicht sogar das weiße Trikot des besten Jungprofis oder einen Etappensieg hätte der Ravensburger aber natürlich auch nichts einzuwenden. »Um unserem Kapitän zu helfen, muss ich ja selbst vorn mit dabei sein«, weiß er.

Froome indes blies zum Schluss noch mal zum Angriff. Diese Tour werde »meine größte Herausforderung«, meinte er. »Aber ich glaube, dass ich noch fünf, sechs Jahre lang mit dem Anspruch kommen werde, die Tour zu gewinnen« So etwas nennt man Langzeitselbstbewusstsein.

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