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Begrünte Baumscheiben erwünscht

Mitte wehrt sich gegen Berichte, Pflanzen von Hobbygärtnern pauschal zu entfernen

Mit einer Webseite und Flyern will das Bezirksamt Mitte künftig die Begrünung von Baumscheiben stärker unterstützen. Medienberichten zufolge entfernt das Bezirksamt Blumenbeete an den rund 28 000 Straßenbäumen des Bezirks. Davon hatte unter anderem der Tagesspiegel berichtet. Das wies Bezirksstadträtin Sabine Weißler (Grüne), zuständig für Straßen und Grünflächen, bei einem Pressegespräch am Donnerstag zurück. Im Gegenteil: Die Begrünung unterstütze in vielen Fällen die Baumgesundheit. Und auch im sozialen Sinne seien die Bepflanzungen willkommen, weil sich ansässige Bürger rund um ihre Bäume versammelten, gemeinsam planten und so nachbarschaftlich zusammenkämen.

Nichtsdestotrotz gäbe es bei der Bepflanzung und Einzäunung einiges zu bedenken - und auch einiges falsch zu machen. Insbesondere, wenn Bürger zum Schutz gegen urinierende Hunde kleine Zäune bauen und dazu Pfähle in den Boden rammen, sei das manchmal ein Problem. Harald Büttner, Leiter des Grünflächenamtes, erklärte das Problem: Bei manchen Bäumen verliefen die Wurzeln sehr nah an der Oberfläche. Diese »mechanisch wirksamen Wurzelplatten« seien für die Statik des Baumes unerlässlich. Würden sie verletzt, etwa durch einen Begrenzungspfahl, drohe der mittelfristig umzustürzen. Jeder Baum sei anders - das Amt vermittle Experten, die »jeden Baum mit Namen kennen«, sagte Büttner und lachte. Diese unterstützten Bürger auch vor Ort und informierten sie, wenn einer Pflanze in Nachbarschaft zu einem Baum kein langes Leben beschieden ist.

Die Liste der möglichen Fehler, die im neuen Flyer aufgeführt werden, ist lang: Blumen, die höher als 50 Zentimeter wachsen, beeinträchtigen zum Beispiel die Sicht von Autofahrern auf das, was auf dem Gehsteig passiert. Ein falsch aufgestellter Zaun kann dem Bezirk eine Schadensersatzforderung bescheren - wenn ein Autofahrer beim Parken seine Türe gegen ihn schlägt. Und ist der Baum noch keine fünf Jahre alt, verbietet sich eine Bepflanzung von vornherein, weil die Anwuchsphase noch nicht abgeschlossen ist. »Meldet euch bei uns«, fordert Stadträtin Weißler entsprechend die Stadtgärtner auf. »Nicht jede Pflanze, die man auf eine Baumscheibe setzen kann, ist sinnvoll.«

»Urban Gardening« wird der seit einigen Jahren zu beobachtende Trend auch genannt. Früher war das Gärtnern im städtischen Raum illegal, seit zehn Jahren ist es erlaubt.

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