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Prügelpresse

Trumps Wrestling-Video gegen CNN

Wrestling ist die reine Show. Kein Schlag trifft, kein Tritt tut weh, keine noch so fiese Beleidigung ist ernst gemeint. Es ist der Bühnenshow gewordene Spruch »viel Rauch um nichts«. Oder besser: fast nichts. Denn hinter dem gefahrlosen, weil gefakten Gebrüll und Geprügel werden mit dem Brachial-Bombast still und leise Unsummen verdient. Der gute alte Ringkampf wird in dieser speziellen US-Form ergänzt um aufgepumpte Kämpfer in Spandexkostümen, die mit skurrilen »Künstler«-Vitas ausgestattete sind und um »Manager«-Darsteller im Don-King-Format, die ihre »Undertaker« oder »Triple H« genannten Ringerdarsteller großmäulig ins Rennen schicken. Ein moderner Gladiatorenkampf, nur ohne Schmerz.

Nun hat US-Präsident Donald Trump ein zehn Jahre altes Video verschickt, das am Rande einer Wrestling-Veranstaltung aufgenommen wurde. Trump schnappt sich darin den Chef der Wrestling-Vereinigung, reißt ihn zu Boden und tut so, als würde er ihn verprügeln – als Showeinlage. In der nun verschickten Version ist beim »Opfer« statt des Kopfes das Logo des mit Trump verfeindeten Kabelsenders »CNN« montiert. Trump verprügelt höchstpersönlich die Mainstreammedien, so die Botschaft an die verzückten Fans.

Wrestling ist ein passendes Bild für die aktuellen Vorgänge in der US-Politik, konkret für den Russia-Gate-Infokrieg zwischen Präsident Trump und der CIA, ausgetragen über die jeweils hörigen Medien. Eine ganz große Show, eine Schlammschlacht, die Außenstehenden wie ein Kampf auf Leben und Tod erscheint, die aber den Beteiligten nicht weh tut, sondern die wirklich wichtigen Dinge nur zudeckt – und die drehen sich beim Wrestling wie in der Politik immer ums Geld. Eine grandiose Ablenkung. Denn die tatsächlichen Verbrechen Trumps (wie seine Rücknahme der Banken-Regularien, die Erlaubnis für epochale Medienkonzentrationen oder erneute Steuersenkungen für Superreiche) werden wegen der quantitativ überwältigenden und inhaltlich irrelevanten Putin-Paranoia gar nicht mehr thematisiert – auch nicht von seinen »Feinden« bei der »Washington Post«. Oder eben bei »CNN«. Die haben nämlich mit den nichtideologischen, also knallhart materialistischen Inhalten der Trump-Politik erheblich weniger Probleme, als die Russen-Hysterie glauben macht.

»CNN« und Trump hatten eine besondere Woche, die damit begann, dass der Sender einen Beitrag über Trump-Russland-Verbindungen zurückziehen musste und Redakteure feuerte. Sie endete mit einem Lauschangriff rechter Trump-Aktivisten auf CNN-Personal, das sich darin mutmaßlich abfällig über die Russland-Berichterstattung des Senders äußerte. Zwei zu null also für den neoliberalen Hooligan im Weißen Haus? Da muss er einfach schnell ein Eigentor schießen: Gewalt fällt auf den Gewalttätigen zurück, CNN-Solidarität scheint nach dem infamen Video Pflicht. Dachte man. Die Trump-Anhänger belehren eines Besseren. Sicher ist nur: Die Verrohung der politischen Kommunikation ist nun total.

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