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Die Weltmusik kommt nach Rudolstadt

Das beschauliche Thüringer Residenzstädtchen empfängt 1200 Künstler zu seinem großen Festival

Seit einem Jahr hat das »Tanz- und Folkfest Rudolstadt« (TFF) einen neuen Namen: »Rudolstadt-Festival«. Der Namenswechsel 2016 sei überfällig gewesen, sagt Petra Rottschalk, Kopf des Festivalteams. »Den Namen ›Folkfest‹ gibt es seit 1955. Seit 1991 haben wir das Fest um das Wort ›Tanz‹ ergänzt. Doch wir fühlten uns nicht ganz ernst genommen. ›TFF‹, was sollte das bedeuten? Es ist typisch deutsch, eine Abkürzung. Keiner wusste etwas damit anzufangen.« Die anderen großen Festivals hätten ja auch ihre Stadt im Namen: Roskilde zum Beispiel oder Glastonbury.

Das Festival gibt der kleinen Thüringer Residenzstadt durch die Namensänderung eine zusätzliche Ausstrahlung - weit über Thüringen und Deutschland hinaus. Es wird so auch zum Stadtmarketing-Instrument. An allen Ecken, Plätzen, Weggabelungen der beschaulichen Kleinstadt singen Musiker aus aller Welt: Vier Tage lang, vom 6. bis 9. Juli, gibt es 300 Auftritte von 150 Bands und Solokünstlern. Damit zählt das »Rudolstadt-Festival« zu den größten und renommiertesten Musikfestivals in Europa. Bis zu 25 000 Besucher pro Tag werden zu den Konzerten, Workshops, Talks und Ausstellungen erwartet.

Auch Straßenmusiker können sich bewerben. Der Sänger und Songautor Felix Meyer etwa hat so angefangen, später luden ihn die Veranstalter - das sind Ulrich Doberenz, Petra Rottschalk und ein elfköpfiges Team - auf die große Bühne ein. Ein großes Netzwerk ist entstanden, Impulse werden ausgetauscht. Mit dem Theater Rudolstadt und dessen Intendanten Steffen Mensching gibt es eine gute Zusammenarbeit, desgleichen mit dem Lehrstuhl »intercultural studies« an der Musikhochschule Weimar, der kürzlich UNESCO-Lehrstuhl wurde.

Was ist das Besondere in Rudolstadt? Viele Musiker haben mindestens zwei Auftritte in Rudolstadt. Wer also einen Auftritt verpasst hat, kann sich zum zweiten Konzert aufmachen. Und während andere Veranstalter in ehemalige Hangars, auf Flugplätze oder auf die grüne Wiese locken, öffnen sich die Stadt und die Rudolstädter ihren Gästen. Mit dem Heine-Park, der Heidecksburg und dem kleinteiligen Altstadtkern werden den Besuchern sehr verschiedene atmosphärische, auch intime Orte angeboten. Direkt an der Saale, wo gebadet werden kann, liegen im Heinepark zwei große Bühnen mitten im Grünen. Hoch über der Stadt thront die Heidecksburg und lockt mit feinen Konzerten (Sven Helbig und die Thüringer Symphoniker) und Vogelperspektiv-Blick. Insgesamt verteilen sich mehr als 20 Bühnen in Höfen, Gärten, auf Stadtplätzen und Treppen über Rudolstadt. Es ist ein Festival in der Stadt, für die Stadt. Bewohner aus dem umliegenden Landkreis Saalfeld-Rudolstadt bekommen ermäßigten Eintritt. Und es geht sehr sauber zu für ein Festival. »Kritische Besuchermails werden bei uns sehr ernst genommen, damit sich alle wohl fühlen« sagt Petra Rottschalk. »Atmosphäre und Klima sind uns sehr wichtig. Wir wollen fröhliche und keine frustrierten Besucher, also haben wir saubere Toiletten und Duschen.«

Die mehrfach ausgezeichnete schottische Sängerin Amy Macdonald eröffnet am Donnerstagabend das Festival. Schottland ist in diesem Jahr der Länderschwerpunkt. Neben der Folk-Pop-Musikerin aus Glasgow sind der Dudelsack-Virtuose Fred Morrison sowie die Gruppe Niteworks zu erleben. Sie verbinden elektronische Musik, gälische Lieder und Dudelsackklänge miteinander. Erwartet werden mehr als 1 200 Künstler, unter anderem aus Äthiopien, Indien, Israel, Norwegen, Jamaika und Portugal. Alle 22 000 Dauerkarten sind bereits verkauft. Tageskarten sind aber noch zu bekommen.

Informationen im Internet unter: www.rudolstadt-festival.de

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