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Die Weltwirtschaft als Gruppentreffen

Informelle Gremien von Regierungen gibt es viele und das seit Jahrzehnten - am Machtgefälle zwischen Entwicklungs- und Industrieländern hat dies nur wenig geändert

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Informelle Gruppentreffen zwischen Regierungsvertretern aus zahlreichen Staaten, die sich ansonsten nicht unbedingt freundlich gesonnen sind, haben eine lange Tradition. Auch wenn die G7 mit den sieben sich als wichtigste Staaten ansehenden Industrieländern die bekannteste dieser Runden ist, ging es ganz woanders los: Bereits im Jahr 1964 schlossen sich 77 Dritte-Welt-Länder während der ersten Konferenz der Genfer UN-Organisation UNCTAD zusammen, um ihre gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen gegenüber den übermächtigen Industriestaaten besser vertreten zu können. Die Riesenrunde, die bis heute auf 134 Staaten angeschwollen ist, gab sich eine Struktur, damit sie einigermaßen organisiert arbeiten kann: Ein Mitgliedsland hat immer für ein Jahr den Vorsitz inne, bei jährlich stattfindenden Ministertreffen am UN-Sitz in New York werden Grundsatzbeschlüsse gefasst, die von einem Koordinierungsausschuss an die insgesamt fünf regionalen Untergruppen weitergegeben werden. Ziel der G77 ist es, die Süd-Süd-Kooperation zu stärken und die Stimme der armen Länder bei wichtigen Weltwirtschaftsfragen zu stärken.

Beides ist bis heute nur in geringem Maß vorangekommen. Dieses dürftige Resultat zeigt die Schwäche der Gruppenpolitik: Die Strukturen sind sehr lose, die Zusammenarbeit geschieht nur sporadisch - im normalen wirtschaftlichen Alltag haben die Teilnehmer höchst unterschiedliche Interessen und stehen sich eher als Konkurrenten denn als Partner gegenüber.

Das gilt auch für eine andere, weniger bekannte Gruppe: Die G15 war der Versuch einiger Entwicklungsländer, die Blockfreienbewegung in die Zeit nach der Blockkonfrontation hinüberzuretten. Die Gruppe traf sich in Sri Lanka 2012 zum letzten Mal und hat nicht einmal mehr eine eigene Webseite.

Dann gibt es auch diverse Staatengremien mit einer ganz spezialisierten Ausrichtung wie die 2006 gegründete G33. Hier haben sich Entwicklungsländer mit einer ähnlichen Wirtschaftsstrukturen zusammengetan: mit einer großen bäuerlichen Bevölkerung und dennoch hohen Agrarimporten. Die G33 tritt als Verhandlungskoalition im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) auf, etwa um Sonderkonditionen für Entwicklungsländer auszuhandeln. Vor allem wollen sie die eigenen schwachen Agrarmärkte vor Billigimporten schützen. Trotz gleicher Interessenlage und des spezialisierten Themenspektrums konnten sie bisher wenig bewegen: Die sogenannte Doha-Runde, die unter WTO-Dach die Welthandelsregeln zugunsten der Entwicklungsländer verändern sollte, ist bis heute nicht wirklich in die Gänge gekommen, was vor allem am Unwillen der Industrieländer liegt, ihre Agrarsubventionen zu beenden.

Auch einige Schwellenländer sprechen sich seit 2003 bei den WTO-Konferenzen ab: Die G20 der Entwicklungsländer setzt sich für den Abbau der massiven Agrarsubventionen und die Aufhebung von Importbeschränkungen für Agrarprodukte in Ländern wie den USA und in der Europäischen Union ein.

Auch bei den halbjährlichen Treffen von Internationalem Währungsfonds und Weltbank versuchen Staaten, Positionen auf Ministerebene vorher abzustimmen: Die G24 ist ein seit 1972 bestehendes währungs- und finanzpolitisches Sonderforum der G77, dem je acht Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas angehören. Als Gegenstück auf Seiten der Indus-trieländer gibt die G10 den Ton an.

Während der Einfluss armer Entwicklungsländer auf die internationale Politik trotz der diversen Gruppen bis heute wegen der harten Haltung der Industrieländer gering ist, haben letztere die Bedeutung der für die Weltwirtschaft zunehmend relevanten aufstrebenden Entwicklungsländer sehr wohl akzeptiert. Die fünf wichtigsten Schwellenländer nehmen seit 2005 an den G8-Gipfeln teil. Der britische Premier Tony Blair hatte deren Staatschefs erstmals zum G8-Gipfel in Gleneagles geladen - bei der G8+5-Runde ging es insbesondere um eine effektivere Zusammenarbeit beim Klimaschutz. Zu dieser Zeit wurde diskutiert, den G8-Gipfel zu einem G13-Gipfel zu erweitern.

Dann kam die Finanzkrise von 2008 - und plötzlich wurde ein anderes Gremium wichtig, das schon fast einem Zahlenspiel glich: eine Gruppe von Industrie- und Schwellenländern, deren Finanzminister und Notenbankchefs sich regelmäßig treffen. Als im Zuge der Asienkrise von 1997 deutlich wurde, dass regionale Finanzcrashs wie der Tigerstaaten in Südostasien wegen der Globalisierung der Märkte zur weltweiten Bedrohung werden können, wurde auf Initiative von Bill Clinton die G22 gegründet. 1999 wurden noch mehr Staaten geladen, sodass sie als G33 firmierte. Die Asienkrise wurde auch dank dieses gemeinsamen Vorgehens rasch beendet - und die Gruppe bei einem Treffen in Berlin im Dezember 1999 mit veränderter Besetzung zur G20 umgewandelt. Diese schien in der Bedeutungslosigkeit zu versinken - bis der Lehman-Crash weltweite Schockwellen erzeugte. Gemeinsames Handeln schien notwendig: die Geburtsstunde der Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs von 19 Indus-trie- und Schwellenländern plus des Chefs der EU-Kommission.

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