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Kreml hofft auf Konzert statt Soloauftritte

Moskau setzt auf konkretes Arbeitstreffen Putin-Trump

  • Von Axel Eichholz, Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

»Ich hoffe, dass beim Treffen Putin-Trump in Hamburg Pragmatismus und Realismus obsiegen werden«, erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow zum Ausklang des außenpolitischen Forums Primakow-Lesungen in Moskau. Die Präsidenten sollten sich zu der Erkenntnis durchringen, jede der beiden Seiten könne ihre nationalen Interessen »im Konzert und nicht bei Soloauftritten« umsetzen.

Laut Lawrow haben die Präsidenten den Wunsch, die bestehende »Abnormität« in den russisch-amerikanischen Beziehungen schnellstmöglich zu überwinden. Dafür sollten sie darangehen, sich über »konkrete Dinge« zu verständigen - sei es in der Wirtschaft, in der »Situation um die Ukraine oder im Syrienkrieg«. Russische Medien meinen, eine Konfrontation sei bei dem »zentralen Ereignis« des G20-Gipfels ausgeschlossen. Diese könnten sich Putin und Trump gar nicht leisten.

Zu den zentralen Themen der kommenden Gespräche zählt die Moskauer »Nesawissimaja Gaseta« denn auch Syrien und die Ukraine. Das Feld für denkbare Kompromisse sei aber für Trump sehr eng, schreibt die Zeitung. Es könne sich dabei um weniger bedeutende Sanktionen gegen Moskau handeln, etwa die Rückgabe von Diplomatendatschen an die russische Botschaft in Amerika. Bei ernsteren Dingen muss Trump zu Hause Rücksicht auf den Kongress nehmen.

Für eine Entspannung in den Beziehungen der beiden atomaren Supermächte bieten sich neue oder runderneuerte alte Initiativen im Rüstungskontrollbereich an. Aus russischer Sicht könnte es dabei um ein neues START-Abkommen oder eine Neuauflage des Vertrages über Kurz- und Mittelstreckenraketen gehen. Das sind zunächst allerdings nur um Spekulationen.

Unklar sei, wie sich die derzeitigen Reibereien zwischen Washington und der EU auf das Treffen zwischen Trump und Putin auswirken werden und welche Haltung der russische Präsident beziehen wird. Anfang der vorigen Woche hatte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Putin angerufen, um mit ihm einige Punkte der Abschlusserklärung des G20-Gipfels und die Regularien zu erörtern. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow bestätigte dies, wollte aber keine Einzelheiten nennen. Er bezeichnete einige davon lediglich als »kurios«.

Bis kurz vor dem Gipfel gab es keinen festen Termin für das Treffen Putin-Trump. Wer zuerst komme, mahle zuerst, meinte Uschakow. Putins Arbeitsplan für Hamburg sei bereits voll. So sei das Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vor einem Monat vereinbart worden. Natürlich sei man sich seiner Verantwortung bewusst und man werde »alles Mögliche und Unmögliche« tun, damit das Treffen zu Stande komme, so der Präsidentenberater. Das Unmögliche wurde möglich. Am Dienstag wurde bekannt gegeben, dass sich die Präsidenten am Freitag sehen werden.

In Wahrheit habe es keine Terminprobleme gegeben, sagte allerdings ein Kremlinsider der Zeitung »Moskowski Komsomolez«. Man befürchtete im Kreml lediglich, dass der Amerikaner im letzten Moment irgendeinen »Bock schießen« könnte und wollte eine Ausrede parat haben.

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