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Zu jedem Gipfel Gegendemonstrationen – ist das nötig?

»Ja!« findet Elsa Koester

Gipfelproteste sind eine Kampfansage. Bei diesem Kampf geht es um die Macht über Bilder und Erzählungen. Wenn sich die G20-Regierungschefs in Hamburg treffen, sind die Verhandlungen längst gelaufen. Im Zentrum steht das gemeinsame Foto in der Elbphilharmonie. Das Bild wird von einem fatalen Schulterschluss erzählen: zwischen der neoliberalen Globalisierung und dem autoritären Nationalismus. Alles im Griff. Es ist dieses Bild, das die Demonstranten angreifen. Ihre Fotos zeigen: Nein, nichts ist im Griff. Ihre Erzählung lautet: Es muss anders gehen.

Dieser Schrei nach der Alternative, nach einer anderen Welt war es, mit dem 1999 beim Gipfel der Welthandelsorganisation WTO in Seattle die globalisierungskritische Bewegung auf die Weltbühne trat. Doch mit den Gipfelprotesten kam die Kritik. Will man nicht gerade der G20 die Legitimation absprechen? Warum rennt man dann zu jedem Gipfeltreffen - statt sich auf lokale Arbeit zu konzentrieren?

Weil die Linke sich versammeln muss, um über die Fragen der Welt zu diskutieren. Im politischen Alltag schwärmen Linke aus, in die Nachbarschaften, Flüchtlingsunterkünfte, Universitäten, Parlamente. Ohne Zusammenkunft droht diese Arbeit zu zerfasern. Lokale Politik versinkt in der Unsichtbarkeit.

Unterschätzt nicht die Macht von Bildern. Stellen wir uns vor, diesen Schrei der Hunderttausend in Hamburg gäbe es nicht. Merkel, Trump und Erdogan, Macron und Macri träfen sich nur einen Steinwurf von der Roten Flora entfernt - ohne Widerspruch. Es wäre ein Festival der Alternativlosigkeit, des endgültigen Siegeszugs neoliberal-autoritärer Politik. Die totale Depression.

Nein, die Linke muss aus ihren Löchern kriechen. Sie muss in Hamburg die Weltbühne betreten und mit lauter Stimme verkünden: Doch, es geht anders! Wir können Fluchtrouten sichern, Grenzen öffnen und solidarisch zusammen leben. Wir können Kleinbauern stärken und den Hunger besiegen. Wir können das kapitalistische Wachstum hinter uns lassen und das Klima schützen.

Dass eine andere Welt möglich ist, glaubt aber keiner, der nur Merkel, Erdogan und Trump im Fernsehen sieht. Doch die Bilder der grinsenden G20-Teilnehmer sind längst mit Fragezeichen versehen. Wieso muss der Gipfel von 19 000 Polizisten geschützt werden? Wieso löst er dermaßen viel Widerspruch aus?

Wirklich gewonnen haben die Demonstranten allerdings erst, wenn sie auf diese Fragen auch eine starke Antwort sichtbar machen. Wenn nach dem Gipfel nicht nur Bilder des Kampfes bleiben, sondern eine Vorstellung dessen, was den Neoliberalismus ablösen könnte. Das Bild einer anderen Welt.

Zu jedem Gipfeltreffen gibt es Gegendemonstrationen – muss das sein? »Nein!« sagt Tom Strohschneider

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