Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Eine Tafel für Clara Zetkin

Vierter »Frauenort« in Sachsen ehrt die Pazifistin anlässlich ihres 160. Geburtstages

  • Von Hendrik Lasch, Wiederau
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Schriftsteller Louis Aragon fand für Clara Zetkin ein vollmundiges Lob, das sich aus heutiger Sicht freilich mehr als zwiespältig liest. Sie rede wie eine Frau, der »außergewöhnliche Umstände« die Fähigkeiten und Kenntnisse eines Mannes hätten zuwachsen lassen, schrieb der Surrealist über die Sozialistin. Und er fügte hinzu, sie sei die »in hohem Grade vollendete Erscheinung der neuen Frau, die dem Manne gleich ist«.

Die Tafeln, mit denen der Landesfrauenrat in Sachsen seit vergangenem Jahr »starke Frauen der Vergangenheit sichtbar und der Gegenwart zugänglich« machen will, setzen die Geehrten nicht in Relation zu Männern, sondern würdigen sie in ihren eigenen Rechten. »Frauenorte« nennt sich die Initiative, die nach dem Vorbild anderer Bundesländer ins Leben gerufen wurde und die an deren 160. Geburtstag auch Clara Zetkin würdigte. Man schätze sie als »Frauenrechtlerin, Friedenskämpferin und Verfechterin eines modernen Frauenbildes«, sagte Susanne Köhler, Vorsitzende des Vereins, am Mittwoch bei der Enthüllung des Erinnerungsortes an Zetkins Geburtshaus in Wiederau.

Die Tafel ist der vierte Frauenort im Freistaat; die ersten erinnern in Chemnitz an die Streikführerin Ernestine Minna Simon, in Zwickau an Gertrud Schubart-Fikentscher, die 1948 in Halle zur ersten Professorin der Rechtswissenschaft in Deutschland wurde, sowie in Dresden an Marie Stritt, die einen »Rechtsschutzverein für Frauen« gründete. 2017 sollen noch vier weitere Tafeln eingeweiht werden, sagt Andrea Pankrau, Geschäftsführerin des Landesfrauenrats. Sie würdigen die Görlitzer Kinderbuchautorin Mira Lobe, außerdem die erzgebirgische Unternehmerin Barbara Uthmann, die Konzertpianistin Louise Haufe aus Bad Düben und die sächsische Kurfürstin Anna von Dänemark, die als »Mutter Anna« bezeichnet wurde und in Freiberg bestattet ist.

Die Liste zeigt, wie breit das Spektrum jener Frauen ist, die für eine Ehrung in Frage kommen. Ein sechsköpfiger Fachbeirat achtet bei der Auswahl darauf, dass die Betreffenden in Sachsen geboren wurden oder dort wirkten; zudem sollen sie »herausragende« Leistungen in Politik oder Wirtschaft, Technik, Pädagogik oder Sport erbracht oder sich für die Emanzipation von Frauen stark gemacht haben. Das Gremium greift auf Vorschläge aus der Öffentlichkeit zurück. Man freue sich jederzeit über weitere Anregungen, sagt Pankrau - auch wenn derzeit bereits etwa 40 vorliegen.

Zweifel daran, ob Zetkin für eine Ehrung in Frage kommt, waren in dem Gremium »kein Thema«, sagt Köhler. Das ist nicht selbstverständlich - zumindest für Konservative stellt die Kommunistin noch immer eine Reizfigur dar. Als das Finanzamt Pirna in die dortige Clara-Zetkin-Straße umzog, drängte Sachsens CDU-Finanzminister Georg Unland auf eine Umbenennung - mit der grotesken Begründung, dass der Name Zetkins nicht zum Zahlen von Steuern animiere. In Berlin verhinderte die Umbenennung einer Straße, dass der Bundestag Zetkins Name in der Anschrift trägt, merkte der LINKE-Abgeordnete Jörn Wunderlich in Wiederau an; auch Initiativen seiner Partei zur Benennung eines Bundestagsgebäudes nach Zetkin wurde abgebügelt. In Wiederau dagegen wird sie nun mit einer informativen Tafel geehrt - als eine jener Frauen, die »Sachsen mit prägten«.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln