Das Leben rückwärts leben

Stefanie Kaps Kaps machte Erfahrungen, die viele Alleinerziehende kennen

  • Von Christin Odoj
  • Lesedauer: ca. 7.5 Min.

Dieser Brief an die Wohnungsverwaltung hat sie keine Überwindung gekostet. Die Alternative wäre gewesen, in eines der schlechteren Viertel zu ziehen, da, wo keiner Fragen stellt und die Mietinteressenten alle miese Karten haben. Stattdessen aber erklärte sie der Frau, die ihr vor ein paar Tagen die Zimmer gezeigt hatte, dass sie genau diese eine Wohnung will, in der schönen Gegend mit den netten Menschen und dem vielen Grün. Sie will hier endlich zur Ruhe kommen mit ihrem kleinen Sohn, das war die Wahrheit und so schrieb sie sie auch auf. Sie bekam die Wohnung mit ihrer Mutter als Bürgin, was ihr mit 31 irgendwie unangenehm war, aber anders ging es nicht.

Stefanie Kaps sitzt an einem sonnigen Tag im Juni am Dresdner Königsufer auf einer Picknickdecke im Park. Sie hat Leitungswasser und Becher von zu Hause mitgebracht. Ihr Sohn Marvin* ist in der Schule, geht in die fünfte Klasse einer Privatschule. Kaps, inzwischen 32, zieht ihren...

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