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Sieben Tage, sieben Nächte

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.

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Als ich noch in die Schule ging, hatten wir alle ein bisschen Angst vor Norbert. Norbert war größer als alle anderen, und er war stärker. Er war nicht besonders klug, aber dafür schlau. Mittags bei der Essenausgabe drängelte er sich vor, beim Schulsport schubste er die anderen, auf Klassenausflügen sicherte er sich die besten Fensterplätze im Bus oder in der Bahn. Gern nahm er in der Unterrichtspause jemanden in den Schwitzkasten, einfach nur so, aus Spaß. Mich hat er zum Glück meistens verschont, weil ich ihm auf Geheiß des Klassenlehrers bei den Deutsch-Hausaufgaben half. Norbert konnte auch nett sein, freundlich, manchmal sogar lustig, aber man wusste nie, wann die Stimmung umschlägt. Und warum.

Als Norbert trotzdem das Klassenziel nicht erreichte und sitzenblieb, atmeten wir auf. In der nächsten, jüngeren Klasse fand er dann noch leichtere Opfer; sie taten uns nicht besonders leid. Wir waren ihn los und begegneten ihm kaum noch.

Donald Trump hat dieser Tage im Kurznachrichtendienst Twitter ein ungefähr zehn Jahre altes Video gepostet. Er steht in einem Wrestling-Ring, wo eine für europäische Augen immer noch seltsame Sportart betrieben wird. Das heißt, es ist eigentlich kein Sport, sondern Massenbelustigung. Muskelbepackte Männer spielen dem rasenden Publikum martialische Schlägereien vor. Trump, im Anzug, wirft in der inszenierten Rauferei einen Mann unvermittelt zu Boden und prügelt theatralisch auf ihn ein. Voll auf die Fresse. Dann geht er stolz ab. Für dieses kindische Video hat Trump dem Kontrahenten das Logo des Fernsehsenders CNN auf den Kopf montiert. Mit CNN liegt Trump im Dauerclinch; er bezeichnet den Sender gern als Fake News.

Der US-Präsident hat schon viele merkwürdige, lächerliche, abstoßende, selbstentlarvende Dinge getan. Aber selten hat er das Credo seines Lebens, auch seines politischen Lebens so exakt auf den Punkt gebracht wie mit dieser kleinen, nur ein paar Sekunden langen Filmsequenz: Ihr haltet das Maul. Kommt doch, wenn ihr was wollt. Ich bin der Größte. Make America great again. Norbert hat uns alle überholt. Er schubst, drängelt, und er sitzt auf dem besten Fensterplatz, diesmal sogar mit Atomknopf. Hallo Welt, du hast ein großes, blondes Problem.

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