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Schön spielen und erfolgreich sein

Trainerin Steffi Jones über ihr erstes Turnier mit den DFB-Fußballerinnen, den Druck davor und das Urteil danach

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Sie stehen vor der EM sehr im Mittelpunkt. Der aktuelle Fernsehspot ist stark auf die Bundestrainerin zugeschnitten. Spüren Sie diesen besonderen Druck?
Ich nehme diesen Druck nicht an. Er ist sicherlich vorhanden und ist mit Wertschätzung und Respekt verbunden, aber ich bin nicht Silvia Neid. Ich schreibe jetzt meine eigene Geschichte, das ist der Auftrag. Ich fühle mich bestens vorbereitet, habe Plan A, B und C, bin sehr strukturiert und perfektionistisch veranlagt. Mehr kann ich vorher auch nicht tun. Nach dem Turnier wird dann ein Urteil auch über meine Arbeit gefällt.

Wem vertrauen Sie besonders?
Ich habe meine mittlere Achse für den Mannschaftsrat ausgewählt: Almuth Schult im Tor, Babett Peter aus der Abwehr, unsere Spielmacherin und Kapitänin Dzsenifer Marozsan und eigentlich war dazu Alexandra Popp im Sturm vorgesehen (sagte wegen Verletzung die EM ab, Anm. d. Red.). Den vier habe ich freigestellt, eine jüngere Spielerin hinzuzunehmen, wobei sie sich schnell für Sara Däbritz entschieden hatten. Mit diesen fünf war ich in allen Punkten in der Abstimmung, was das Trainerteam, Trainingsinhalte oder auch das Teambuilding betraf. Auch die Yogaeinheiten hätte ich nicht ohne deren Zustimmung eingeführt.

Vor wenigen Tagen haben Sie acht Turnierneulinge in ihren Kader berufen, die noch nie eine EM oder WM erlebt haben. Ist das nicht ein zu großes Risiko?
Letztlich kommt der Fakt auch durch die Ausfälle zustande. Im Nachhinein war es nur richtig, dass wir frühzeitig viele neue Spielerinnen integriert haben. Hier muss jetzt keiner für die EM von null auf 100 durchstarten. Es sind alle integriert und lassen sich entwickeln. Ich habe einen ganz tollen Kader beisammen.

Sie haben spielerisch neue Akzente gesetzt. Wie schwierig war das nach der langen Ära von Silvia Neid?
Ich bin immer noch in einem Prozess, in dem ich vieles ab- und hinterfrage oder mich selbst auch präsentiere, um die Rückmeldung abzuwarten. Wenn die Mannschaft den Weg nicht mitgeht, hilft es keinem. Ich will niemand mit taktischen Dingen zuballern, sondern versuche, gezielt Akzente zu setzen. Wir sind mitten in einem Veränderungsprozess, in dem die Europameisterschaft eigentlich zu früh kommt. Ich hatte wenig Zeit, hoffe jedoch, dass wir einiges schnell umgesetzt bekommen. Europameister zu werden ist unser Ziel, um dann mittel- und langfristig auf diesem Weg weitermachen zu können.

Die Messlatte für die Frauen lag nach dem Olympiasieg 2016 und sechs EM-Titeln in Folge ohnehin hoch. Nun sind die Männer in diesem Sommer auch noch U21-Europameister und Confed-Cup-Sieger geworden, obwohl viele Weltmeister in Urlaub waren.
Ich sehe die Männer gerade als gutes Beispiel. Da waren zwei junge, erfrischende Mannschaften am Werk, die unbeirrt ihren Weg gegangen sind und einen unheimlichen Teamspirit entwickelt haben. So unbekümmert die aufgetreten sind, wollen wir uns auch von der Euphorie treiben lassen.

Sie wollen Erfolg mit schönem Spiel kombinieren. Ist der Spagat nicht zu groß?
Ich befürworte attraktiven Fußball, aber es ist bestimmt nicht untersagt, einen Ball mal hinten rauszuschlagen. Wir haben sicherlich bei den vergangenen Turnieren, die EM 2013, die WM 2015 und die Olympischen Spiele 2016 nicht immer schön, aber unter dem Strich erfolgreich gespielt. Für mich wäre toll, wenn wir jetzt schön spielen und erfolgreich sind.

Mit welcher Spielphilosophie tritt die deutsche Nationalmannschaft in den Niederlanden an?
Ich bevorzuge ein Ballbesitz- und Offensivspiel. Wir wissen, dass sich diesbezüglich alle Frauen-Nationalteams schwer tun, deshalb können wir uns da vielleicht noch abheben, weil ich finde, dass wir da zu ausrechenbar waren. Gegenpressing und Umschalten gehören natürlich dazu, auch das Defensivverhalten, aber ich möchte in unserem System so oft wie möglich Überzahl schaffen. Ich glaube, dass wir im System mit einer Raute die beste Tiefenstaffelung haben und unser Angriffsspiel besser gestalten können.

Unter Silvia Neid schien das System mit fünf Mittelfeldspielerinnen fast in Stein gemeißelt. Sie setzen auf in einer Raute. Da müssen aber Abstände und Abstimmung passen, sonst ist das System anfällig in der Rückwärtsbewegung.
Unsere Spielerinnen wissen, dass wir Probleme bekommen könnten, wenn wir die Räume nicht eng halten. Deswegen wollen wir variabel bleiben und werden nicht immer in der Raute bleiben. Es wird dann schnell auch zum 4-3-3 oder doch wieder zum 4-2-3-1. Für mich ist wichtig, dass unsere Spielerinnen mit ihrer Spielintelligenz auf dem Platz selbst in der Lage sind, entscheiden zu können, wann sie wieder kompakter stehen müssen.

Die Spielerinnen werden in einer neuen Form in die Entscheidungen mit einbezogen.
Ja, weil eine neue Zeitrechnung da ist. Ich bin ein empathischer Mensch, ich kommuniziere sehr viel, wir haben einiges geändert. Das entspricht meiner Persönlichkeit und ist zeitgemäß.

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