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Der schwarze Block - gibt es den noch?

Blick unter die berühmt-berüchtigten »Hasskappen«

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Nach der Welcome-to-hell-Demonstration autonomer und antikapitalistischer Gruppen in Hamburg am Donnerstag und im Zuge der Blockaden im Hamburger Hafen und in der Innenstadt am Freitag berichtet die Presse wieder über den schwarzen Block. Die Polizei hatte am Donnerstag eine bis dahin friedliche Demonstration attackiert, was in einigen Medien auch so berichtet wurde. Gleichzeitig wird in manchen Berichten in die Schublade bekannter Stereotypen gegriffen. Die »Hamburger Morgenpost« schreibt vom »Gewalt-Mob«, der in der Nacht wütete und bei »Zeit online« wird das Skandieren von »A, Anti, Antikapitalista« zum Schlachtruf. Schon im Vorfeld der Hamburger Proteste wurde über den bedrohlichen schwarzen Block geschrieben.

Mit dem ausdifferenzierten Feld linksradikaler Aktivisten und Aktivistinnen, die dann bei Protestgroßereignissen wie den Aktionen gegen den G20-Gipfel wirklich auf der Straße anzutreffen sind, hat das kaum etwas zu tun und wird den Protestierenden nicht einmal ansatzweise gerecht. Denn auch beim G20-Gipfel demonstrieren viele Postautonome, denen der Militanzfetisch, wie ihn Sicherheitsbehörden und Teile der Presse einem Teil der Protestierenden zuschreiben, durchaus ein Dorn im Auge ist.

Schon bei den Blockupy-Protesten gegen die europäische Finanzpolitik 2013 in Frankfurt am Main hatte die Polizei erklärt: Beamte hätten einen schwarzen Block gekesselt. Allerdings wurden darin vornehmlich jene postautonomen Aktivistinnen und Aktivisten gefangen gehalten, die einer Strömung angehören, die schon vor über 20 Jahren den schwarzen Block abschaffen wollte und in Frankfurt mit bunten Sonnenschirmen winkte.

Robert Foltin hat sich in seinem Buch »Post-Autonomie« mit der Weiterentwicklung der autonomen Bewegung befasst. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde demnach über nachhaltigere und weniger subkulturell ausgerichtete Strukturen für eine linke Bewegung diskutiert. Auch wenn die Kritik an den Autonomen als kampagnenfixierte Jugendbewegung etwas drastisch war, traf sie einen Nerv und führte zur Gründung verschiedener Verbände wie »Fels« und »Avanti«, die unter dem Begriff »Postautonome« zusammengefasst werden. Die haben sich gerade in ihrer schon einige Jahre existierenden Bündnisplattform als bundesweiter Verband »Interventionistische Linke« zusammengeschlossen und sind bei vielen Protesten anzutreffen, bei Blockupy und auch in Hamburg.

Richtig ist: Manche Demonstranten verbergen ihr Gesicht unter Hasskappen. Einige von ihnen sind zu Auseinandersetzungen mit der Polizei bereit und haben auch schon mal eine Flasche oder einen Pflasterstein geworfen. Ansonsten verbergen sich unter den Hasskappen aber Menschen aus Deutschland und aus dem Ausland, die unterschiedliche politische Haltungen haben. Aktivisten aus Griechenland oder Italien kommen aus einer anderen politischen Kultur, verhalten sich auf der Demo anders und haben mitunter auch andere politische Ansichten als ihre linksradikalen Freunde aus Deutschland. Nicht selten fehlt Reportern ein grundsätzliches Verständnis, um Vorgänge bei derartigen Großereignissen richtig einzuschätzen. Oft sind es junge Autoren oder Praktikanten, die von den Redaktionen zur Demo geschickt werden und die über kaum Erfahrung mit sozialen Bewegungen verfügen.

Inhaltliche Ausrichtungen der Proteste werden kaum beachtet. In der Berichterstattung geht es nicht selten um einen insgeheim erhofften Krawallfaktor. Dabei kann dann aus einem eher harmlosen Gerangel schnell eine wilde Straßenschlacht werden. Nicht selten unterfüttert die Polizei mit ihren Pressemeldungen eine derart überzogene Beurteilung.

Pressemeldungen werden häufig kritiklos übernommen. Oft hat das auch mit den personell nur dünn besetzten Onlineportalen und Redaktionen zu tun. Wie sehr durch eine solche Praxis mangelnder medialer Recherchen demokratische Grundrechte zugunsten einer pauschalen Vorverurteilung von Protest- und Demonstrationsteilnehmern geschleift werden und damit sukzessive ein Ausnahmezustand erzeugt wird, stellte kürzlich eine Studie fest, die den Zusammenhang von Medien und Polizeipressearbeit rund um den G8-Gipfel in Heiligendamm untersuchte.

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