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Köln kaputt - und keiner war's

Opernsanierung wird immer teurer und renommierte Museen haben große Bauprobleme

  • Von Siegfried Schmidtke, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.

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Oper kaputt. Schauspiel kaputt. Kölner Stadtmuseum: Wasserschaden. Neues (!) Völkerkundemuseum: Baumängel. Ostasiatisches Museum kaputt. Römisch-Germanisches Museum kaputt, wird ab 2018 für sechs (!) Jahre geschlossen. Derzeit jagt in der NRW-Metropole Köln eine Hiobsbotschaft aus der Kulturszene die nächste. Und niemand fühlt sich verantwortlich. Wird jetzt die Kulturdezernentin zum Sündenbock gemacht?

Anfang Juli verkündete die Stadtverwaltung, dass die Sanierung der Kölner Bühnen wahrscheinlich 570 Millionen Euro verschlingen wird. Eine Schocknachricht, wenn auch bereits befürchtet oder geahnt.

Rückblick: Im Herbst 2010 beschließt der Kölner Stadtrat, statt eines Neubaus das vorhandene Opern- und Schauspielhaus aus dem Jahr 1957 zu sanieren. Baukosten von 253 Millionen Euro werden bewilligt, die Sanierung beginnt 2012. Beide Bühnen müssen auf - teuer angemietete - Ersatzspielorte ausweichen. Der blauäugig kalkulierte Wiedereröffnungstermin im Herbst 2015 platzt kurzfristig im Frühjahr jenes Jahres. Henriette Reker, frisch gewählte Oberbürgermeisterin, muss Ende 2015 dann die Wiedereröffnung auf das Jahr 2018 verschieben. Auch ist jetzt bereits von 404 bis 460 Millionen Baukosten die Rede. Wegen ungeklärter Zuständigkeiten, Insolvenz beteiligter Sub-Bauunternehmer und fehlender Bauaufsicht werden danach immer höhere Baukosten und weitere Terminverschiebungen genannt. Nun also 570 Millionen Euro, Wiedereröffnung nicht vor 2023.

Zwar ist die Oper das größte, allerdings nicht das einzige marode Objekt der Kölner Kulturlandschaft. Da ist zum Beispiel das Rautenstrauch-Joest Museum für Völkerkunde: Es hat nach seinem Umzug im Jahr 2010 in ein neues Gebäude mit zahlreichen Baumängeln zu kämpfen. Mal war es die unsichere Glasfassade, mal die defekte Türschließanlage und zuletzt fehlerhafter Brandschutz, die die Stadt zwangen, das Museum zeitweise ganz oder in Teilen zu schließen. Immerhin wurde der Eintrittspreis gesenkt. Ärgerlich auch die Schließung des Ostasiatischen Museums: Bis Ende September 2017 bleibt das von der Besucherzahl her kleinste Museum wegen Sanierung geschlossen.

Aber ein Unglück kommt selten allein, im Juni traf es dann das Kölnische Stadtmuseum. Kein Baumangel, sondern schlicht ein defekter Wasserhahn verursachte einen extremen Schaden. Die Dauerausstellung ist nun für einige Monate geschlossen.

Und dann das Römisch-Germanischen Museum (RGM)! Das war 1974 eröffnet worden - in bester Lage neben Dom und Hauptbahnhof hatte das Haus seitdem 20 Millionen Besucher. Dort haben archäologische Funde aus den ersten fünf Jahrhunderten der Kölner Stadtgeschichte ihren Platz. Prunkstück des RGM ist das komplett erhaltene, etwa 70 Quadratmeter große »Dionysos-Mosaik«.

Das über 40 Jahre alte Museum gilt schon lange als renovierungsbedürftig, eine dreijährige Sanierungszeit ab 2018 war geplant und beschlossen. Nun jedoch schockte die Stadtverwaltung mit der Botschaft, dass die Sanierung des Museums wohl sechs Jahre dauern wird. Das Römisch-Germanische Museum bis 2023 geschlossen! Für viele Kölner ein Unding - und der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der Ruf nach Schuldigen/Verantwortlichen für das Kölner Kulturbauten-Debakel wurde laut. Reflexhaft richtete sich der Blick auf die parteilose Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach. Vergangene Woche beschlossen CDU, Grüne und FDP, die Abwahl der Kulturdezernentin zu beantragen - ein im Rat noch nie da gewesener Vorgang. Für die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit müsste allerdings die oppositionelle SPD gewonnen werden. Die lehnte die kurzfristige Abwahl der Kulturfrau als »Bauernopfer« ab, ebenso wie die Linksfraktion. Jörg Detjen, Chef der Linksfraktion: »Nicht allein Frau Laugwitz-Aulbach ist verantwortlich. Die gesamte Verwaltung, bis hin zur Oberbürgermeisterin, hat versagt.« Detjen verwies auf ein für September angekündigtes Gutachten des Rechnungsprüfungsamtes zur Opernsanierung. Vorher bestehe kein Handlungsbedarf.

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