Werbung

Kneipenerlebnisse und mehr

Martin Becker und Martina Lisa sammelten in »Die letzte Metro« junge Literatur aus Tschechien

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Herausgeber, Martina Lisa (geb. 1981) und Martin Becker (geb. 1982), lassen bereits im Vorwort erkennen, dass es im Buch vorwiegend um diejenigen geht, die im Untergrund, eben in der »letzten Metro« Prags, als Verlorene und Einsame zu finden sind, nachdem sie noch kurz vorher in irgendeiner Kneipe palavert haben. So ist im Gedicht »Metro« von Vladimíra Čerepková die U-Bahn eine »flackernde Falle«, in der sich »Gekrümmte im Getümmel drängen«, mit »bloßen Füßen … streicheln sie den Schmutz.«

Neben Jaroslav Rudiš, Emil Hakl, Bianca Bellová und Irena Dousková, die bereits hierzulande bekannt sein dürften, sind vorwiegend Autoren versammelt, die nur ein wenig älter sind als die beiden Herausgeber. In Rudiš’ »Windstille« erinnert sich ein Mädchen an einen Aufenthalt an der Ostsee zu sozialistischen Zeiten, als ihr Vater versucht hatte, mit einem Boot nach Schweden zu fliehen, was jedoch vereitelt wurde. Jetzt ist sie wieder dort und versucht, ihrem schweigsamen Partner nahezukommen. Hakls »Planet Žižkov« führt den Ich-Erzähler mit dem weit gereisten Philosophen Daktylus in einer Prager Kneipe zusammen, und sie »arbeiten« gemeinsam Themen der internationalen Literatur ab. Nebenbei beobachten sie, wie sich ein Pärchen am Nachbartisch zu schaffen macht, ineinander findet, um sich schnell wieder zu trennen und zu entfliehen.

Filip Topols »Tag und Nacht« schildert den Tagesablauf eines verhinderten Musikers, der sich nicht von Orgelklängen berauschen lässt und zuletzt in einer Prager Kneipe landet, wo ihm im Vollrausch Mozart erscheint. In »Leben im Schrank« von Tereza Semotamová trifft die Ich-Erzählerin, nachdem sie den Hausstand ihrer Großmutter aufgelöst hatte, auf Novák, der sie auf ein Dorf entführt, wo er die Tauben seines verstorbenen Opas versorgt. Trotz des Taubenkots und der vermüllten Behausung seines Freundes Márin stellt sich bei ihr ein Wohlfühl-Erlebnis ein.

Viele Texte beginnen oder enden in einer Kneipe. Ein Symptom? Ein »alternativer Ort der Inspiration«, heißt es im Klappentext. Aber es finden sich auch andere Themen. So schildert Petra Soukupová in »Montagmorgen« den Stress einer Familie mit zwei Kindern, die nach Weihnachten und Silvester recht schwer wieder in den Alltagstrott findet. Und Bianca Bellová schafft in »Ende der Saison« in einem Dialog zwischen zwei Vätern einen berührenden Kontrast, indem scheinbar »heldisches« Gebaren gegen den normalen Alltag eines Vaters gestellt wird, der schon über Jahre seinen Sohn aufopferungsvoll pflegt, der an spinaler Muskelatrophie erkrankt ist.

18 Autorinnen und Autoren sind vertreten. Überraschungen sind gewiss.

Martin Becker/Martina Lisa (Hgg.): Die letzte Metro. Junge Literatur aus Tschechien. Voland & Quist, 205 S., br., 18 €.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!