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Ein Film voller Gespenster

Im Kino: »Dark Blood« ist der letzte Film mit River Phoenix

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Ende ist es dann also ein »Kunstfilm« geworden. Das war eher nicht die Absicht, als George Sluizer 1993 in die Wüste von New Mexico aufbrach, um dort eine Geschichte von Wahnsinn, Anziehung und Abstoßung im Atomzeitalter zu drehen. Sluizer, bekannt für Psychothriller wie »Spurlos verschwunden« (sein niederländisches Original) und »Spurlos - The Vanishing« (sein Hollywood-Remake), war nie ein Mann harmloser Filmchen: »Spurlos verschwunden« ist die Geschichte eines Mannes, der obsessiv nach seiner verschwundenen Freundin sucht - und angeblich der gruseligste Film, den Stanley Kubrick je gesehen hatte. Das amerikanische Remake funktionierte weniger gut, schon weil ihm, nach bester Hollywood-Tradition, ein erträglicheres Ende aufgepfropft wurde.

Sluizer war aber auch Dokumentarist, mit einer Reihe von Filmen über palästinensische Schicksale in Israel in der Filmografie, und stand in diesem Zusammenhang 2010 im Zentrum einer etwas skurrilen politischen Kontroverse, als er öffentlich äußerte, er habe den damaligen israelischen Verteidigungsminister Ariel Sharon 1982 bei einem besonders kaltblütigen Doppelmord im Flüchtlingslager von Sabra und Shatila beobachtet und dies anschließend auch gemeldet. Ein Vorwurf, der von israelischer Seite nachdrücklich (und vielstimmig) dementiert wurde, und der sich auch bei den Behörden nicht belegen ließ, denen Sluizer den Fall gemeldet haben wollte. Mit der Bruce-Chatwin-Verfilmung »Utz« (1992) verhalf er außerdem Armin Mueller-Stahl zu einer Rolle, die ihm den Silbernen Bären der Berlinale einbrachte.

Dort war 2013 auch »Dark Blood« zuerst zu sehen, der Film, für den Sluizer 1993 in die Wüste von New Mexico gezogen war. Ein weiterer Psychothriller dies, und nur zehn Tage fehlten noch zum Ende des Drehs, als Hauptdarsteller River Phoenix - die Aufnahmen in der Wüste waren beendet, die große Stadt lockte - am 31. Oktober 1993 vor einem Nachtclub in Los Angeles zusammenbrach: Drogen, Herzstillstand. Ein Mythos war geboren. Und ein Film - nicht ganz - beendet. Alles gedrehte Material fiel an die Versicherung, die im Falle einer Nicht-Fertigstellung zur Kostenübernahme verpflichtet war. Und die behielt es lange. Erst als Sluizer selbst 2007 beinahe an einem Aneurysma verstorben wäre, kam wieder Bewegung in die Sache.

Weil Sluizer kein unvollendetes Werk hinterlassen wollte, sammelte er Geld, um das Fragment auszulösen. Und stellte den umgeschnittenen Film 2012 in den Niederlanden und 2013 auf der Berlinale vor. Im September 2014 ist dann auch George Sluizer verstorben. »Dark Blood«, vom reißerischen Titel ganz abgesehen, ist am Ende also ein Vermächtnis geworden, ein Film voller Geister und Gespenster. Von der toten Gattin seines Antihelden, gestorben an den Folgen der US-Atomtests ganz in der Nähe (offiziell spielt der Film in der Wüste von Nevada), über die dunklen Pläne, die Hauptfigur Boy (Phoenix) mit dem Paar hat, das eine Autopanne in seiner Hütte festhält, bis zum Schicksal seines Hauptdarstellers: »Dark Blood« ist einer dieser Filme, die wie Stolpersteine im Weg liegen und Kino und Leben (oder Tod) verknüpfen.

Was man zu sehen bekommt, wenn man das spät vollendete Fragment betrachtet, ist ein wilder Mix aus Genre-Kino und dokumentarischer Einbettung. Vorweg spricht der Regisseur über die Entstehungsgeschichte, und man sieht dazu ein Foto, das ihn mit River Phoenix beim Dreh zeigt. Dann geht der Film los, und wo Film fehlt, ersetzen eingefrorene Bilder die bewegten. Dazu wird aus dem Drehbuch verlesen, was man eigentlich hätte sehen sollen. Da ist dieses Hollywood-Pärchen, Schauspieler Harry (Jonathan Pryce) und seine alkohol-affine Frau Buffy (Judy Davis, die später wenig Schmeichelhaftes über ihren Regisseur zu sagen wusste), da ist ihr reparaturbedürftiger Bentley.

Und da ist dieser junge Mann in der Wüste, der nach dem Tod seiner Frau ein etwas gespaltenes Verhältnis zu seiner Umwelt hat. Und über allem ist da der Mythos eines zweiten James Dean, der aus der Wüste nach Los Angeles zurückfuhr und den Trip nicht überlebte.

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