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Straßenbahnausbau nimmt langsam Fahrt auf

Im Herbst sollen drei Planfeststellungsverfahren für Neubaustrecken eröffnet werden / U-Bahn-Träume binden Planerkapazitäten

Im Herbst sollen endlich die Planfeststellungsverfahren für drei neue Straßenbahnstrecken eröffnet werden. Es geht dabei um die Verlängerung der Linie M 10 vom Hauptbahnhof zur Turmstraße, den Lückenschluss zwischen dem S-Bahnhof Schöneweide und der Wissenschaftsstadt Adlershof sowie um die Verlegung der Linie 21 aus der Boxhagener Straße in die Sonntagstraße, um das Ostkreuz direkt anzubinden. Besonders beim Friedrichshainer Vorhaben war jahrelang kein nennenswerter Fortschritt zu verzeichnen. Unter anderem, weil die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) vergeblich auf die zugesagte Planungsarbeit der Verkehrsverwaltung wartete - bis sie das Projekt selber in die Hand nahm.

«Kann das Verfahren ohne substanzielle Einsprüche durchgeführt werden, ist eine Inbetriebnahme in dieser Legislaturperiode aus heutiger Sicht möglich», heißt es in einer Vorlage für den Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Trotzdem wirken die Fortschritte immer noch zäh. «Es geht unter dem neuen Senat deutlich schneller voran als unter dem vorherigen», widerspricht Martin Schlegel diesem Eindruck. Er ist Verkehrsexperte beim Umweltverband BUND Berlin. «Wir erwarten, dass die Verfahren spätestens im Oktober eröffnet werden», sagt Grünen-Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar. Am 31. Oktober soll im Verkehrsausschuss ein Fortschrittsbericht vorliegen.

«Es laufen schon verschiedene Voruntersuchungen für weitere im Koalitionsvertrag vereinbarte Verlängerungen», berichtet Schlegel. Für eine Verlängerung der Straßenbahn über die Turmstraße hinaus lässt der Senat derzeit zwei verschiedene Varianten untersuchen: einerseits über den S-Bahnhof Beusselstraße zum Virchow-Klinikum mit Anschluss an die Tramlinie M 13, andererseits entlang der heutigen Buslinie M 27 über den Mierendorffplatz zum S- und U-Bahnhof Jungfernheide. «Ich glaube nicht, dass es in Moabit großen Widerstand gegen eine Straßenbahnverlängerung geben wird», sagt Schlegel. Dort wäre also, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, eine Baureife 2021 im Bereich des Möglichen.

Auch bei der geplanten Strecke auf der Leipziger Straße Richtung Potsdamer Platz und weiter nach Steglitz geht es voran. Momentan wird die Tragfähigkeit der Gertraudenbrücke untersucht. «Wenn die gegeben ist, stellt ein Baubeginn bis 2021 kein großes Problem dar», sagt Harald Wolf, Verkehrsexperte der LINKEN.

Für die Verlängerung der Linie M 2 von Heinersdorf ins geplante neue Wohngebiet «Blankenburger Süden» seien Trassenbewertungen und Nutzen-Kosten-Untersuchung bereits beauftragt und weit vorangeschritten«, so die Verkehrsverwaltung auf »nd«-Anfrage.

Für die Strecken Potsdamer Platz- Rathaus Steglitz sowie S- und U-Bahnhof Warschauer Straße-Hermannplatz und die Tangente Pankow-Heinersdorf-Weißensee seien die Ausschreibung und der Start der Untersuchungen für 2018 geplant, heißt es weiter.

Etwas Sand ins Getriebe streut beim Straßenbahnausbau neben dem Personalmangel bei Planern auch der noch unter Rot-Schwarz initiierte Prüfauftrag für neue U-Bahnstrecken. Vier Verlängerungen sollen untersucht werden, so ein erneuter Senatsbeschluss vom Dienstag. Die U 1 von der Uhlandstraße bis Adenauerplatz, die U 7 von Rudow bis zum Bahnhof Schönefeld, die U 8 von Wittenau bis ins Märkische Viertel sowie ein neues Linienkreuz von U 2 und U 9 in Pankow. »Das ist eine ärgerliche Diskussion«, sagt Harald Wolf. »Man sollte wirklich keine Planerkapazitäten binden, die wir dringend für die Straßenbahn brauchen«, begründet der Linkspolitiker seinen Groll. Der Grund: Ein Kilometer U-Bahn kostet so viel wie zehn Kilometer Straßenbahn. Auch hohe Betriebskosten sprechen vorerst gegen neue U-Bahnstrecken.

Rund 20 Millionen Euro jährlich sind nach Auskunft von Harald Wolf auf verschiedenen Etatposten im Haushaltsentwurf 2018/2019 vorgesehen. Wenn man dann noch mögliche Zuschüsse rechnet, könnte sich die zur Verfügung stehende Summe verdoppeln. Rechnerisch würde das etwa für vier Kilometer Neubaustrecke pro Jahr reichen. Das wäre viermal so viel wie bisher seit Mauerfall pro Jahr errichtet wurde.

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