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Baghdadi - das unbekannte Wesen

Der getötete IS-Anführer ist nur wenige Male öffentlich aufgetreten

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Bestätigung scheint unumstößlich: Nachdem schon Russland und Iran erklärt hatten, IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi sei am 28. Mai bei einem russischen Luftangriff auf die IS-Hochburg Rakka in Syrien getötet worden, teilte nun auch die «Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte» mit, der Anführer des Islamischen Staats (IS) sei nicht mehr am Leben; dies hätten «hochrangige IS-Funktionäre» bestätigt.

Aber die Angaben der Organisation lassen sich meist nicht prüfen. «Ob er tot ist oder nicht, ist sowieso egal», sagt Watheg al-Hamadani, Polizeichef der irakischen Provinz Ninawah (Ninive), zu der auch Mossul gehört: Der IS bleibe gefährlich. «Wenn ich mir die große Zahl an Anschlägen, an Kämpfen anschaue, muss ich sagen, dass sich an der Bereitschaft des IS, Angst und Terror zu verbreiten, nichts geändert hat.

1971 unter dem Namen Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri in Bagdad geboren - daher Baghdadi - , wurde er 2010 offiziell Anführer der Terrororganisation IS; seit 2011 steht er auf den Fahndungslisten westlicher Staaten. Doch selbst unter Islamisten erlangte er erst größere Bekanntheit, nachdem der IS 2014 Mossul eingenommen und er sich zum Kalifen des »Islamischen Staats« erklärt hatte; eine Rolle, die in der Ideologie des IS die Nachfolgeschaft (arabisch: Kalifat) des Propheten Mohammed bedeutet. Seine Rede in der Großen Moschee blieb sein einziger bestätigter öffentlicher Auftritt; nur zwei Mal, 2015 und 2016, wandte er sich in Audiobotschaften an seine Anhänger. Darüber hinaus wird er als Autor von ideologischen und religiös argumentierenden Texten angegeben, die dazu beitrugen, dass in vielen Teilen der muslimischen Welt extremistische Gruppen dem IS die Treue schworen.

»Doch man kann mit Sicherheit sagen, dass es nie Baghdadi war, der die strategischen Grundlagen geschaffen hat, die den IS so gefährlich machen«, sagt Generalleutnant Stephen Townsend, Kommandeur der US-Truppen im Kampf gegen den IS in Irak und Syrien: »Der Einfluss Baghdadis besteht vor allem in der Rolle des Kalifen, und deshalb sind wir auch sehr vorsichtig mit Aussagen zu seinem Tod: Wir wollen keinen Märtyrer in den Augen der Terroristen schaffen, ihre Bereitschaft zum Terror nicht schüren.« Stattdessen konzentriere man sich darauf, die militärischen Befehlshaber, die IS-Strategen »auszuschalten«.

Doch auch der Anspruch Baghdadis, als Kalif Anführer der Muslime zu sein, war und ist im Islamischen Staat augenscheinlich nicht unangefochten: Im April hat beispielsweise Abu Fatimah al-Jaheischi, offiziell Stellvertreter Baghdadis in Irak, die IS-Anhänger per Audiobotschaft dazu aufgefordert, ihm die Treue zu schwören, und sich dabei darauf berufen, dass der »Kalif sein Amt nicht ausüben« könne, nachdem zum wiederholten Male die Nachricht verbreitet worden war, Baghdadi sei schwer verletzt worden. Kurz zuvor hatte die IS-Propagandaplattform Amak allerdings erklärt, Baghdadi sei »gesund« - ein Zeichen dafür, dass auch die IS-Funktionäre den tatsächlichen Stand der Dinge nicht unbedingt kennen.

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