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Der Tod liegt auf der Straße

Die Tour de France hält die Erinnerung an ihr erstes Dopingopfer klein

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Berlin. Tom Simpson fährt noch tiefer über sein Rad gebeugt als sonst. Schon bald fängt er an, quer über die Straße zu fahren. Dann fällt er vom Rad. Er lässt sich von Zuschauern am Straßenrand noch einmal anschieben, bevor er komplett kollabiert. Die Hitze am Mont Ventoux und eine Durchfallerkrankung haben ihn geschwächt, die Aufputschmittel in seinem Körper tun ihr Übriges. Simpson stirbt an jenem 13. Juli 1967 kurz vor dem Etappenziel der Tour de France. Zwei Jahre zuvor war er noch Weltmeister geworden, nun ist er der erste Dopingtote des größten Radrennens der Welt.

An diesem Donnerstag jährt sich das Unglück zum 50. Mal, doch ein offizielles Gedenken ist im Alltag der diesjährigen Tour nicht vorgesehen. Die Show muss weitergehen. Schon am Tag nach Simpsons Tod hatten die Kollegen bei einer Gedenkminute zwar um ihn geweint, doch Tourdirektor Jacques Goddet verkündete: »Überall sterben Menschen, nicht nur im Radsport. Die Tour geht weiter!«

Zum Innehalten bleibt keine Zeit. Doping wird ohnehin nicht gern thematisiert bei der Frankreichrundfahrt. Sind doch alles alte Geschichten! Dabei war Simpsons Tod eine Zäsur. Erstmals bekamen die Sportfans einen Hinweis auf die Gefahren und die riesigen Ausmaße des Dopingmissbrauchs im Sport. Schon wenige Wochen später wurden gedopte Fahrer mit Geldstrafen belegt oder für Monate ganz aus dem Verkehr gezogen. Der Weltverband führte erste Verbotslisten ein. Die Amphetamine, die dem Briten zum Verhängnis geworden waren, standen auch darauf. Gedopt wurde freilich weiter.

In den kommenden Tagen führt die Tour de France in die Berge der Pyrenäen. Es soll wieder heiß werden. Dass alle Fahrer diese Strapazen sauber angehen werden, ist nicht zu erwarten. ok Seite 3

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