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Vier Euro Stundenlohn für Tutoren

Die Uni Jena ist Thüringens größter Arbeitgeber - ihren Nachwuchs behandelt sie schlecht

  • Von Sebastian Haak, Jena
  • Lesedauer: 2 Min.

Mehrere studentische Hilfskräfte der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena fordern gerechtere Arbeitsbedingungen für sich und anderes wissenschaftliches Personal an der Hochschule. Als sogenannte Tutoren unterstützten sie den Lehrbetrieb an der Thüringer Universität durch zusätzliche Lerneinheiten zu Seminaren, Vorlesungen oder Übungen für andere Studenten, schreiben sie in ein Brief an den Präsidenten der FSU Jena, Walter Rosenthal. »Das tun wir unter extrem schlechten Arbeitsbedingungen.«

Beispielsweise hätten fast alle von ihnen nur auf die Vorlesungszeit, also für etwa vier Monate, befristete Verträge, schreiben sie. Sie erhielten für ihre Leistungen nur den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro brutto pro Stunde oder - für den Fall, dass sie bereits einen Bachelor-Abschluss hätten - 9,70 Euro brutto pro Stunde. Zudem erhielten manche von ihnen nur die reine Lehrzeit vergütet, nicht aber ihren Zeitaufwand für die Vor- und Nachbereitung der Lehre. »Dabei ergibt sich ein realer Stundenlohn von teilweise unter vier Euro pro Stunde«, heißt es in dem Brief.

Die Arbeitsbedingungen an deutschen Hochschulen gelten für studentische Hilfskräfte und Nachwuchswissenschaftler schon seit Jahren als prekär. Solange das wissenschaftliche Personal keine eigene, ordentliche Professur erreicht hat - was den wenigsten Nachwuchswissenschaftlern gelingt - hangeln sich viele Hochschulbeschäftigte von einer befristeten Teilzeitstelle zur nächsten. Auch die studentischen Hilfskräfte der FSU Jena schreiben in ihrem Brief, sie solidarisierten sich mit denjenigen Wissenschaftlern, die als Lehrbeauftragte unter ähnlich schlechten Bedingungen wie sie arbeiteten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Thüringen unterstützt den Protest der Tutoren - und geht dabei noch über deren Forderungen hinaus. Während die Tutoren beispielsweise in ihrem Schreiben an Rosenthal fordern, dass sie Verträge mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr bräuchten, will die GEW für sie in der Regel eine Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren. Zudem sollen die Tutoren ein Entgelt deutlich über dem Mindestlohn erhalten. Die Gewerkschaft bringt dabei einen Bruttostundensatz von 14 Euro ins Gespräch.

In Jena hatten sich vor wenigen Wochen Nachwuchswissenschaftler mit der Frage beschäftigt, warum unter diesen schlechten Arbeitsbedingungen an Hochschulen Menschen überhaupt in der Wissenschaft arbeiten wollen. Ein Grund: Viele schätzen das Gefühl, als Hochschulbeschäftigte einer Bildungselite anzugehören.

Die Universität Jena mit ihren derzeit 18 200 Studierenden ist laut Hochschule der größte Arbeitgeber im Freistaat Thüringen - mehr als 8000 Beschäftigte, inklusive Beschäftigte an Thüringens einzigem Universitätsklinikum, gehören der Universität an. Sie gehört zu den traditionsreichsten und ältesten Universitäten Deutschlands.

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