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Zwei Unternehmer wollen sich Bremer City teilen

Während die rot-grüne Landesregierung begeistert ist, reagieren die LINKE und auch die CDU verhalten

  • Von Alice Bachmann, Bremen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wenn es nach den Plänen der Bremer Kaffee-Dynastie Jacobs und des international agierenden Bremer Bauunternehmers Kurt Zech geht, wird der halbe Innenstadtkern der Hansestadt großräumig und rigoros umgestaltet. Während Bremens SPD-Bürgermeister Carsten Sieling, sein Parteikollege und Wirtschaftssenator Martin Günthner sowie der grüne Bausenator Joachim Lohse begeistert auf die Pläne reagieren, kommen von der Bremer LINKEN und der CDU verhaltenere Reaktionen.

Letztere begrüßt es, wenn Privatinitiativen die Stadtentwicklung voran treiben, gibt aber zu bedenken, dass damit Entscheidungshoheit aus der Hand gegeben wird. Außerdem bemängelt die CDU, der rot-grüne Senat habe seit Jahren kein angemessenes Gesamtkonzept für die Innenstadtentwicklung vorgelegt.

Die Linksfraktion im Bremer Landesparlament betont, Umkrempeln sei kein Wert an sich, es gehe um das mit den geplanten Abrissen, Umbauten und Neubauten in der Bremer City angestrebte Ziel. Die Partei wünscht sich eine Mischung aus Wohnen, Einkaufen und Arbeiten - bei guter Aufenthaltsqualität. Gleichwohl sieht sie die Realität und glaubt, dass Zech als Bauunternehmer tun wird, was Bauunternehmer so tun: abreißen, neu- und umbauen.

Es handelt sich bei diesen Gedankenspielen zwar nicht um das Areal von Weltkulturerbe-Rathaus mit Roland, Marktplatz, Dom und Liebfrauen-Kirche, wohl aber um die angrenzende Fußgängerzone, deren Hauptader die Obernstraße ist. Hier befindet sich auf der einen Seite das unter Denkmalschutz stehende Karstadt-Gebäude, gleich gegenüber steht das alte Familienstammhaus der Jacobs-Familie, die bekanntlich mit Kaffee reich wurde.

Das nicht unter Denkmalschutz stehende Jacobs-Haus will die Familie modernisieren und vergrößern, wobei die dahinter liegenden Flächen fast bis zur Weserufer-Promenade einbezogen werden sollen. Ein Wechsel von Gebäuden und Plätzen mit Gastronomie, darunter ein »Jacobs Hof«, aber auch ein großes Einkaufszentrum sollen entstehen.

Das Karstadt-Haus gehört Zech, der nach Aufkauf und Abriss umliegender Gebäude etwas Ähnliches vorhat: Ein Ensemble aus Einkaufszentrum, Gastronomie und einer Fußgängerzone, die einer kreisförmigen Flaniermeile ähnelt. Beide Projekt-Ideen beinhalten das Einbeziehen von öffentlichem Grund, den Verlust von über 1000 innerstädtischen Parkplätzen und gigantische Baustellen über viele Jahre hinweg mitten in Bremens »guter Stube«.

Die Befürworter verweisen auf das »City Gate« genannte Bauprojekt auf dem Bahnhofsvorplatz, wo im Keller des dort geplanten Hotel-Hochhaus-Duos Tiefgaragen für mehrere Tausend Autos entstehen sollen. Zu Fuß sind es von dort fünf Minuten in die Innenstadt. Die Grünen sehen im Parkplatzverlust kein Problem, schließlich ließe sich die Innenstadt prima mit dem Rad oder der Straßenbahn erreichen.

Das »City Gate« ist für den größeren Teil der Bremer Bevölkerung allerdings eher ein Argument gegen die Pläne von Zech und Jacobs. Denn das Projekt hat zu einer stetig wachsenden Baustellenmüdigkeit in Bremen geführt. Vor allem die Auswirkungen in Form von Umleitungen für den Auto- und den öffentlichen Nahverkehr und die damit verbundenen Staus und Verspätungen zerren an den Nerven der Menschen.

Das Ganze schadet auch den innerstädtischen Kaufleuten, weil die Bewohner der Umlandgemeinden lieber in die großen Zentren an Bremens Stadtgrenzen fahren, als sich bis in die City zu quälen. Verschärfend kommt hinzu, dass das »City Gate« jetzt als neuesten Eröffnungstermin Anfang 2019 hat. Bei der feierlichen Grundsteinlegung im Jahr 2015 mit Bürgermeister Sieling war von einer zweijährigen Bauzeit die Rede.

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