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Neustart in Memmingen

Mit viel Euphorie und reichlich Fans im Rücken startet der TSV 1860 München in das Abenteuer Regionalliga

  • Von Christoph Ruf, Memmingen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nach den ausgedehnten Feierlichkeiten vor der Löwen-Fankurve strahlte Sascha Mölders übers ganze Gesicht. «Das hat Spaß gemacht», sagte der 32-jährige ehemalige Bundesligastürmer des FC Augsburg und führte ohne jede Mühe die Vereine an, die in der neuen Liga zu den Favoriten zählen werden: «Schweinfurt, Bayern II auch - und wir wollen natürlich auch oben dabei sein. »Anpassungsschwierigkeiten« an die neue Staffel, die viertklassige Regionalliga Bayern, hatten die Löwen beim 4:1-Sieg in Memmingen auch auf dem Platz nicht gezeigt.

Um Routiniers wie Sascha Mölders, Jan Mauersberger oder den in seiner Heimatstadt überragend aufspielenden Timo Gebhart hat Trainer Daniel Bierofka eine junge Mannschaft aufgebaut. Mit Spielern wie Daniel Wein, Benjamin Kindsvater oder Christian Köppel, die keinen Meter verloren gaben und den robust agierenden Memmingern auch physisch Paroli bieten konnten.

Der Sieg nach zum Teil schön herausgespielten Toren von Köppel (11.), Nico Karger (50.), Gebhart (73.) und Nicholas Helmbrecht (90.+2.) war dann auch in der Höhe völlig verdient. »Das ist einfach eine Qualität, wie man sie in der Regionalliga nicht kennt«, seufzte FCM-Trainer Stefan Anderl. Und sein Münchner Kollege Bierofka sprach von einem »wichtigen Erfolgserlebnis. In Sachen Leidenschaft war das in Ordnung, spielerisch können wir noch zulegen.«

Dass die Löwen auch nach jahrzehntelanger Misswirtschaft ein großer Verein sind, zeigte sich auch am westlichen Rand des Bundeslandes Bayern, wo der Bodensee näher liegt als die Landeshauptstadt München. Auch in Memmingen wehte in vielen Gärten die 60-Fahne, neben den 1000 Tickets, die offiziell nach München gingen, wurde auch das »Heim«-Kontingent zum großen Teil von Löwenfans aufgekauft. 3500 der 5000 Zuschauer hielten es am Ende mit dem tief gefallenen Deutschen Meister von 1966. Über 100 Journalisten hatten sich akkreditiert, auf dem Schwarzmarkt wurden 100 Euro für einen Stehplatz gezahlt. Und nach dem Schlusspfiff waren sich die Fans beider Seiten in der Stadiongaststätte einig, dass sie gerade ein Spiel gesehen hatten, das sie so schnell nicht vergessen werden.

Bei den meisten 60-Fans ist die Freude groß, dass nach dem Abstieg und den endlosen Querelen um den Geldgeber Hasan Ismaik nun endlich wieder die Aussicht auf einen Neuanfang besteht. 100 Millionen Euro soll der Jordanier seit 2012 in den Traditionsverein gesteckt haben. Das Geld versickerte in den Taschen von Spielerberatern und lustlosen Stars. Am Ende stand der Abstieg aus der Zweiten Liga und die Verweigerung der Lizenz für die Dritte Liga durch den DFB. Der Neuanfang in der Regionalliga freut nun die Vereine von Schalding-Heining bis Seligenporten, die mit ausverkauften Häusern rechnen dürfen, während die Löwen-Fans die Rückkehr ins geliebte Grünwalder Stadion zelebrieren. Dass dort eine Stehplatzdauerkarte in der Regionalliga künftig teurer sein wird als bei den Bayern in der Bundesliga, stößt vielen zwar sauer auf. »Aber immer noch besser als noch mal raus in die Schüssel fahren zu müssen«, wie ein Löwen-Fan in Memmingen betonte.

Auch die Bayern sind über den Auszug des Rivalen glücklich. Die bislang verschämt neutral-grauen Sitze in der Allianz Arena werden nun alsbald in rote umgetauscht.

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