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Ding-Dong, wo drückt der Schuh?

Unterwegs mit der LINKEN beim Haustürwahlkampf für den Bundestag in Wedding

  • Von Jana Klein
  • Lesedauer: 4 Min.

Im Grünfeld mitten auf der Lütticher Straße in Wedding lümmeln auf einer aufblasbaren Couch Stephan Rauhut und sein Wahlkampfteam. Gleich, nach der letzten Mate oder Kippe, wollen sie zu einer weiteren Runde Haustürwahlkampf aufbrechen. Im Herbst will der LINKE Rauhut aus dem Wahlkreis Mitte als Direktkandidat in den Bundestag einziehen. Darum treffen sich der Wahlkämpfer und seine jungen Mitstreiter jetzt jeden zweiten Samstag im Bezirk.

Felix Wiesener und Stefan Böhme sind schon länger dabei, haben die Methoden bei überregionalen Teamleiter-Workshops der Partei erlernt und geben sie vor Ort an die Neuen weiter. Wiesener erzählt, dass er im Herbst vergangenen Jahres in die Partei eingetreten ist - wie viele junge Menschen seit der Wahl Donald Trumps in den USA. Jetzt will er in Wedding Sympathisanten der LINKEN an die Urnen locken, auch, um rechte Wahlerfolge zu verhindern. Ein weiteres Ziel der Haustürgespräche: die Bürger über Angebote des lokalen Abgeordnetenbüros wie die kostenlose Mieterberatung informieren. Und einfach mal hören, wo der Schuh drückt.

Diese Formulierung wird Böhme am heutigen Samstag noch einige Male benutzen. Mit Wiesener bildet er eines der Zweierteams, die vom Wohnzimmer aus in die Wohnblocks aufbrechen. Möglichst niedrigschwellig will man dabei auf die Bürger zugehen, sie nicht mit Vokabular aus der großen Politik überfallen. »Was interessiert Sie gerade besonders, gibt es ein Thema, das Ihnen unter den Nägeln brennt?« Viele Bürger reagieren zunächst irritiert, als plötzlich junge LINKE vor ihrer Türe stehen wie die Zeugen Jehovas. Und oft wimmeln sie sie mit Floskeln wie »Wir haben keine Probleme« ab. Das ist normal, sagt Böhme. Man sucht die Menschen in ihrer Komfortzone auf. Viele haben vielleicht das Essen auf dem Herd oder Kinder in der Wohnung. Darum entünden echte Gespräche nur an jeder fünften Tür. Den anderen drückt Böhme noch die Bürgerzeitung der Partei in die Hand.

Nein, auch sie habe keine Probleme, und mit dieser »Bundestagswahl« könne sie auch nichts anfangen, sagt eine junge Frau im nächsten Haus. Wieder droht das Gespräch zu versanden. Doch was in Berlin aktuell gut zieht, ist die Wohnraumfrage: »Ist mit dem Vermieter alles in Ordnung, wie lebt es sich hier im Haus?« Die junge Frau überlegt kurz, ob sie erzählen soll. Im Treppenhaus spielten ständig Kinder, die Haustür sei kaputt und damit für alle offen. Es nutze überhaupt nichts, die Nachbarn auf den Lärm anzusprechen, und auch der Vermieter scheint sich nicht zu scheren. Außerdem: ständig komme der mit Mieterhöhungen und unglaublichen Nebenkostenabrechnungen. Vor wenigen Jahren sei ihre Mutter bei 500 Euro in die Wohnung eingezogen, jetzt zahle sie schon 750. Böhme hakt nach: ob sie sich denn schon beim Vermieter beschwert habe und in welcher Form. Ja, hat sie, einen Brief geschrieben. »Keine Chance.« Böhme weist sie auf das Angebot der kostenlosen Mieterberatung inklusive Rechtsanwalt hin. Die Augen der jungen Frau weiten sich. »Ach, echt? Cool!« Ja, auch eine Bürgerzeitung nimmt sie gern. Die Beratungstermine sind auf der letzten Seite aufgeführt. Dieser Schuh hatte tatsächlich gedrückt.

Auch die Berliner CDU versucht es dieses Jahr mit Haustürwahlkampf, sicher auch im Wahlkreis Mitte. Ob man sich in die Quere komme? Davon geht Stephan Rauhut nicht aus: »Die mobilisieren in einer ganz anderen Klientel«. Die Strategie aus den USA sieht vor, insbesondere in ehemalige Hochburgen der Parteien mit gegenwärtig niedriger Wahlbeteiligung zu gehen. Es geht darum, die eigenen Leute an die Urne zu kriegen.

Eine weitere Türe geht auf. LINKE? Nee, eher nicht so seins. »Was ist denn eher Ihres?«, fragt Böhme. Eher so FDP sei er. »Ah, und Sie sind Unternehmer?« »Nee«, Unternehmer ist er nicht. Aber er sei eher liberal eingestellt. »Und Ihre Einkommenssituation gibt das dann sozusagen her«, bemerkt Böhme trocken - entwaffnet muss der Mann grinsen. Böhme grinst auch. Eine Zeitung der Partei möchte der Mann auch nicht haben.

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