Von Tom Mustroph

Glück im Pech

Für Tom Mustroph hat Sunweb die richtigen Transfers getätigt

Glück im Pech

Zuweilen liegt im Pech auch Glück. In der vergangenen Saison sah es um das Team Sunweb - damals noch Giant Alpecin - recht traurig aus. Die beiden Sprinter Marcel Kittel und John Degenkolb hatten die Mannschaft verlassen. Sie sahen wenig Perspektive in einer Mannschaft, die sich mehr um Rundfahrer kümmern wollte. Die Kletterer waren zu großen Leistungen aber noch nicht in der Lage: weder der Franzose Warren Barguil noch der Niederländer Tom Dumoulin. Der Knoten von Domoulin platzte erst in diesem Mai mit dem Erfolg beim Giro und der von Barguil mit dem Etappensieg in den Pyrenäen am eigenen Nationalfeiertag.

Mit dem Ersatz für den Bergaufsprinter John Degenkolb holte das Team Sunweb am Samstag sogar noch einen Sieg. Mit dem Frankfurter hätte man den sicherlich angestrebt, wäre er noch im eigenen Lager gewesen. Angesichts der Dynamik der Muskelkräfte wäre er aber nicht erreicht worden. »Ich bin heute an den entscheidenden Stellen sicher ein paar Mal gestorben«, analysierte Degenkolb sachlich und angesichts der krassen eigenen Unterlegenheit ohne Frust in der Stimme. Degenkolb war in guter Position in die Rampe hineingefahren. Dann aber fehlte es einfach an Kraft. Degenkolb verwies auf die zehrenden Aspekte dieser Tour: »Der Sturz hat mich einige Prozent gekostet. Ich habe zudem auch für unseren Kapitän Alberto Contador arbeiten müssen.«

Das Bergauf-Sprintspektakel, das für Sunweb nun eben Michael Matthews bot, war eine Nummer zu groß für den Degenkolb, jetzt Co-Kapitän von Trek. Die Art und Weise, in der Matthews dann den Olympiasieger und Klassikerdominator dieser Saison, Greg van Avermaet, beherrschte, war auf einem noch höheren Leistungsniveau angesiedelt. Matthews war der Mann dieser Etappe. Und nur weil durch Degenkolbs Weggang der Platz für den kletterstarken Sprinter frei wurde, kam der Australier überhaupt dorthin.

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