Die Tour wird endlich zum Rennen

Da Chris Froome schwächelt, muss sein Team die Taktik ändern, um ihn vorn zu halten

  • Von Tom Mustroph, Le Puy-en-Velay
  • Lesedauer: 4 Min.
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Das britische Radteam Sky war als sogenannter Bergzug bekannt, als eine Mannschaft also, die eine Bergetappe in der Tour de France zu einer Reise nach Zugfahrplan machen konnte. »Langweiler«, »Radsportroboter« und »Wattzähler« lauteten nur einige der weniger freundlichen Bezeichnungen für das dominierende Team der vergangenen Frankreichrundfahrten.

In diesem Jahr unterzog sich Sky allerdings einer Transformation. Zwangsläufig und ungewollt. Eigentlich funktionierte der Zug noch. Die Männer in Weiß hielten einer vor den anderen gekoppelt das Tempo im Feld so hoch, dass kein Kontrahent die Kraft für die nötigen fünf Stundenkilometer mehr hatte, um eine Lücke zu reißen und sich abzusetzen. Am Gipfel konnte Kapitän Chris Froome die Vorarbeit seiner Kollegen nicht vollenden. Dem Briten ging es wie einem glücklosen Mittelstürmer im Fußball: Das Team hatte ihn freigespielt, nur noch der gegnerische Torhüter stand vor ihm; er brachte den Ball aber einfach nicht an ihm vorbei.

Froome wirkte sogar wie ein Elfmeterschütze, der den Rasen traf statt den Ball, so dass das Spielgerät nur übers Geläuf hoppelte. »Jungs, alles meine Schuld, ich hatte keine Kraft mehr in den Beinen«, sagte Froome zu seinen Teamkollegen nach der Etappe am Donnerstag nach Peyragudes in den Pyrenäen, als er das Gelbe Trikot an den Italiener Fabio Aru vom Astana-Team abgeben musste.

»Wir mussten uns dann erst einmal sammeln. Wir kannten das ja gar nicht, das Gelbe Trikot zu verlieren«, gab Manager David Brailsford gegenüber »nd« zu. Nur einmal hatte Sky in den vergangenen fünf Jahren das Führungstrikot wieder hergegeben. Vor zwei Jahren holte Tony Martin es früh in der Rundfahrt. Sky war damals sehr zufrieden damit: Die Truppe wollte Kräfte für die späteren Etappen sparen. Eher traurig waren die Mannen um Froome dann, als Martin es durch einen Sturz schon am Folgetag wieder an Froome verlor. Der wollte das Gelbe am liebsten gar nicht anziehen - aus Respekt vor dem auf den Asphalt geknallten Martin, aber auch, weil Gelb damals noch gar nicht in seinen Fahrplan passte.

Bei der aktuellen Tour war es aber das erste Mal, dass Gelb in den Bergen verloren ging. »Es war interessant, die Reaktion in der Gruppe zu sehen, nicht nur die Rennfahrer, auch die Masseure und die Mechaniker. Es ging wie ein Ruck durch alle. Niemand ließ den Kopf hängen«, beschrieb Brailsford die Stimmung.

Und Sky änderte die Taktik. Statt Attacken anderer nur zu neutralisieren, beteiligte sich die Mannschaft jetzt selbst an Ausreißgruppen. Es war, als hätte sich eine Armee in lauter Partisanengruppen aufgelöst oder sich eine Armada in einen lockeren Verbund von Piratenschiffen verwandelt. Als erster genoss der Spanier Mikel Landa die ungewohnten Freiheiten. Er jagte seinem Landsmann Alberto Contador vom Team Trek hinterher und fuhr zwischenzeitlich sogar einen Vorsprung vor den Favoriten heraus, der ihn im Gesamtklassement in Podiumsnähe brachte. Teamkollege Michal Kwiatkowski, immerhin ein früherer Weltmeister, folgte seinerseits dem Kolumbianer Nairo Quintana und ließ sich später wieder zu Froome zurückfallen. So ganz kann man die alte Taktik dann wohl doch nicht ablegen. Froome bleibt schließlich Kapitän.

Am Samstag folgte dann der generalstabsmäßig geplante Gegenangriff aufs Gelbe Trikot des Italieners Fabio Aru. »Wir haben uns die Rampe nach Rodez immer wieder angeschaut. Nur eine Minute und vier Sekunden dauerte die Fahrt hoch beim letzten Mal. Wir haben analysiert, an welchen Stellen das Feld damals auseinanderbrach und dann festgelegt, wo wir wann sein wollten. Das Team hat das perfekt umgesetzt«, erzählt Brailsford, und das Gesicht des Walisers strahlte mit seiner Glatze in der Sonne um die Wette. Froome wurde so in Position gefahren, dass er am besten von allen Klassementfahrern in Rodez ankam und das Gelbe Trikot zurückholte. Ein Abstaubertor, um in der Fußballanalogie zu bleiben. Und dieses Mal verstolperte es Froome nicht.

Brailsford, der in seiner Jugend auch selbst Rad fuhr, aber niemals in die Nähe großer Erfolge kam, war von der Taktikänderung seiner Truppe selbst offenbar am meisten entzückt. »Es macht einfach Spaß, auf Angriff zu fahren und nicht immer nur eine Führung verteidigen zu müssen«, meinte er zu »nd«.

Im Feld hat man die Vorlieben von Sir David verstanden. Und so übten die anderen Teams am Sonntag so viel Druck auf Sky aus, dass sich der nun wieder zur Verteidigung gezwungene Bergzug anfangs kaum richtig auf die Schiene kam. Wieder einmal war Improvisation gefragt, und so ließen die Briten dann doch einer riesigen Fluchtgruppe mehr Luft als je zuvor. Nur noch direkte Kontrahenten werden kontrolliert. Der Tour tun die erzwungenen Verwandlungen nur gut. Das Rennen wird weniger vorhersehbar. Es wird überhaupt wieder zu einem Rennen.

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