Von Dieter Hanisch

AKW Brokdorf soll wieder ans Netz

Genehmigung ist mit Auflagen verbunden

Das Atomkraftwerk Brokdorf kann nach verordneter Pause durch die Atomaufsichtsbehörde Anfang August wieder ans Netz gehen. Das teilte das Energiewendeministerium am Montag in Kiel mit. Während Revisionsarbeiten entdeckte Korrosionsschäden an Brennstäben hatten im Februar dazu geführt, dass dem Betreiber Preußen Elektra das eigentlich routinemäßige Wiederanfahren des Meilers untersagt wurde. Nun glaubt die schleswig-holsteinische Atomaufsicht den Grund für den überhöhten Rostbefall gefunden zu haben.

Laut Minister Robert Habeck (Grüne) ist es genauer betrachtet ein Zusammenwirken mehrerer Ursachen. Zum einen sei nur das Material an Hüllrohren der Baureihe M5 betroffen. Ferner ist die Auffälligkeit mit dem 2006 erfolgten Herauffahren der AKW-Leistung von 1440 auf 1480 Megawatt in Zusammenhang zu bringen sowie mit dem seit 2015 häufigeren Wechsel des Lastbetriebes infolge ständig sich ändernder Netzeinspeisungen. Beide letztgenannten Faktoren hätten entsprechende Negativauswirkungen auf den M5-Brennelemente-Bautyp, der seit 1993 Verwendung findet und im Reaktor Brokdorf seit 2002 eingesetzt wird. Eine Korrosion sei dort zwar bereits erstmals 2011 festgestellt worden, doch lag diese seinerzeit und auch einige Male in der Folge unter relevanten Grenzwerten. Diese wurden erstmals im Februar überschritten und lösten daraufhin betriebsame Aufgeregtheit hervor. Sowohl Preußen Elektra als auch das Habeck-Ministerium beauftragten gleich vier unterschiedliche Sachverständige, um dem Phänomen auf den Grund zu gehen.

Dabei stieß man schnell auf einen 2016 aufgefundenen ähnlichen Korrosionsvorgang im Schweizer Meiler Leibstadt. Auch dort lag die Oxidschichtdicke über dem zulässigen Grenzwert. Dadurch, dass Hersteller und Materialien der Hüllrohre sich aber unterschieden haben und auch der AKW-Typ (Brokdorf Druckwasser-, Leibstadt Siedewasserreaktor) sich nicht gleicht, gibt es laut Kieler Atomaufsicht keine unmittelbaren Zusammenhänge. Immerhin wurde bei den aktuellen Untersuchungen festgestellt, dass ein vergleichbarer Vorgang bereits 2005 im AKW Philippsburg registriert wurde.

Am vergangenen Freitag wurde Preußen Elektra nun erlaubt, den Reaktorkern wieder neu zu befüllen. In der Folge dürfte dann ein Antrag auf Wiederanfahren des Meilers kommen. Zu den neuen Bedingungen gehören dann, dass die maximale Leistungsauslastung um fünf Prozent reduziert und die Lastwechselgeschwindigkeit halbiert werden müssen. Die Problematik bleibt aber auch in naher Zukunft unter genauerer Beobachtung. Das versicherte Jan Backmann als Leiter der Atomaufsicht. So soll das Thema beispielsweise auf der nächsten Reaktorsicherheitskonferenz im September auf die Tagesordnung kommen.

Ein maximaler Leistungsabruf aus ökonomischen Erwägungen des Betreibers scheint unter bestimmten Umständen demnach ein Gefahrenfaktor zu sein, mit dem sich auch andere AKW-Standorte zu beschäftigen haben. Backmann kündigte zudem ein noch einmal verbessertes Mess- und Kontrollprogramm an.

In Brokdorf tauchten 464 Brennstäbe mit erhöhtem Oxidbefund auf. In drei Brennelementen von zehn Brennstäben wurde dabei der zulässige Grenzwert von 100 Mikrometer überschritten. Die nächste Jahresrevision für das AKW Brokdorf steht im April 2018 an. Laut Atomausstiegsgesetz kann der Reaktor an der Unterelbe noch bis Ende 2021 laufen.

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