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Streit um schnelle Zentimeter

Neue Messungen sollen Betrug bei Prothesensprintern vorbeugen, doch David Behre fühlt sich benachteiligt

  • Von Holger Schmidt, London
  • Lesedauer: 2 Min.

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Vor seinem Unfall maß David Behre 1,83 Meter. Er wäre vermutlich noch auf 1,91 Meter gewachsen, geht aber mit 1,82 Meter auf Prothesen durchs Leben. In Zukunft darf er nur noch 1,79 Meter groß sein. Vielleicht sogar nur 1,76 Meter. Was verwirrend und vielleicht komisch klingt, ist für den Staffel-Paralympicssieger überhaupt nicht lustig. »Wenn das IPC das so durchzieht, droht es, meinen Beruf zu zerstören«, sagt Behre. Der 30-Jährige Sprinter kann seinen WM-Titel über 400 Meter wegen einer Verletzung in London derzeit nicht verteidigen, aber etwas zu sagen hat er trotzdem.

Der Hintergrund ist kompliziert. Bei den Doppelamputierten versucht das Internationale Paralympische Komitee (IPC) durch Vermessungen zu eruieren, wie groß die Athleten mit gesunden Beinen wären. Auf diese Höhe dürfen die Prothesen dann eingestellt werden. Die bisherige Formel bot aber zu viele Hintertürchen. Und so sprintete mancher Athlet mit sichtbar zu langen Prothesen an der verdutzten Konkurrenz vorbei ins Ziel.

Dem will das IPC durch eine neue Formel Einhalt gebieten. Da manche Sportler lange Oberkörper haben, andere lange Beine oder lange Arme, wird nun viermal gemessen: die Sitzhöhe sowie die Längen von Oberschenkel, Oberarm und Radiusknochen. »Die Formel an sich ist gut«, erklärt der deutsche Mannschaftsarzt Helmut Hoffmann. »Sie bekämpft einen Großteil der Pfuscher. Das Problem ist, dass sie von Menschen umgesetzt wird. Und Menschen machen Fehler.« Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes sagt: »Veränderungen sind überfällig. Aber hier wird keine Gerechtigkeit produziert. Ich fordere das IPC auf, nachzubessern.«

Behre wurde zunächst mit 1,78 Meter »vermessen«. Nach einer Beschwerde ergaben die Berechnungen nach neuen Messungen 1,76 und 1,79 Meter. Allein die Streuung zeigt, dass das System fehlerhaft ist. Dabei ist Behre als einziger Weltklasseathlet seiner Klasse mit zwei gesunden Beinen geboren worden. Er verlor sie erst durch einen Unfall im Alter von 20 Jahren. »Es gibt offizielle Dokumente zum Beispiel von meiner Musterung, die belegen, dass ich 1,83 Meter groß war«, erklärt Behre.

Mediziner Hoffmann fordert eine andere Messung. »Ein MRT würde untrügliche Ergebnisse liefern«, versichert er. Das IPC argumentiere aber, dass dies für viele Athleten zu teuer und somit diskriminierend wäre. »Es sind aktuell vielleicht 20 Sportler, pro Jahr kommen maximal vier dazu. Man müsste sie nur einmal testen. Wenn wir professionellen Sport betreiben, sollte diese einmalige Investition durch das IPC möglich sein.« dpa/nd

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