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Nicht mehr aufrechtzuerhalten

Gesundheitssenatorin an Neuköllner Klinik / 160 Millionen Euro für Sanierung vom Senat

  • Von Ellen Wesemüller
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wenn das Wetter schön ist, sagt Dilek Kolat, dann rauche sie gerne mal Zigarillos. Dass das Vivantes Klinikum in Neukölln auch Kurse zur Tabakentwöhnung im Programm hat, bringt sie zum Schmunzeln. Doch Kolat ist nicht als Patientin hier, sondern als Gesundheitssenatorin, die sich zusammen mit dem Neuköllner SPD-Bundestagsabgeordneten Fritz Felgentreu einen Überblick verschaffen will, wie die knapp 160 Millionen Euro investiert werden, die der Senat im kommenden Doppelhaushalt für Sanierung und Ausbau des Krankenhauses eingeplant hat.

Beim Gang durch den Wartebereich der Notaufnahme liegen und stehen an diesem Montagmorgen lediglich vier Patienten. »Das ist heute nicht so recht repräsentativ«, sagt Geschäftsführer Christian Dreißigacker fast entschuldigend. In seiner Powerpoint-Präsentation hatte er den Politikern zuvor erklärt, dass die für 25 000 Menschen ausgelegte Rettungsstelle das »Hauptproblem« des Gebäudekomplexes sei, denn inzwischen kämen 80 000 Erwachsene und 20 000 Kinder pro Jahr in die Notaufnahme. »Im Winter haben wir hier Flurbetten stehen.«

Das moderne Hauptgebäude entstand 1985, entworfen vom Architekten Josef Paul Kleihues. »30 Jahre, das ist für ein Krankenhaus sehr alt«, so Dreißigacker. Die Fassade werde zwar regelmäßig von Architekturstudenten aus Japan fotografiert, aber wenn es regne, dann regne es leider auch durch die Wände und durch das Dach. Wenn die Decke repariert werden müsse, müssten ganze Stationen freigezogen werden, weil man wegen der freigesetzten Schadstoffe nicht anders daran arbeiten könne. Ob er damit Asbest meint? »Ja, hauptsächlich.«

Doch nicht nur die Rettungsstelle, auch die angrenzende Psychiatrie hat ein Problem. Es gibt lediglich Vier-Bett-Zimmer, in Stoßzeiten werden auch hier Flurbetten aufgestellt. Kolat sagt: »Das sind keine Bedingungen, die wir aufrechterhalten können.« Doch um wenigstens Zwei-Bett-Zimmer anbieten zu können, müssten sich die räumlichen Kapazitäten verdoppeln, und das Krankenhaus muss laut Krankenhausplan im Zuge der wachsenden Stadt noch 40 Betten zusätzlich anbieten.

Das Klinikum Neukölln ist nicht irgendein Standort. Mit 1400 Betten ist es das größte Krankenhaus Berlins, eins der größten deutschlandweit. Es ist die erste Adresse für etwa 400 000 Einwohner, vergleichbar einer Großstadt, »die hat aber drei bis fünf Krankenhäuser«, sagt Dreißigacker. Das Krankenhaus versorgt die meisten Schlaganfälle Berlins, am zweithäufigsten Herzinfarkte und Geburten.

Der Senat hat dem Konzern nun unter die Arme gegriffen und knapp 160 Millionen Euro zugesichert. Damit soll die erste Bauphase abgesichert werden: ein Ausweichhaus an der Rudower Straße soll gebaut werden, damit in einem zweiten Bauabschnitt das Haupthaus saniert werden kann. Kolat sagte am Montag, die Finanzierungszusage sei nur noch eine technische Formalie. In die Summe fließe ein Eigenanteil von Vivantes mit ein, unter anderem durch den Verkauf von Immobilien. Wie hoch dieser sein werde, stehe noch aus: »Wir wissen noch nicht, zu welchem Preis die Immobilien verkauft werden.« Dazu komme eine Eigenkapitalerhöhung sowie die Unterstützung des Senats, die Zinsen und Tilgungsraten von Krediten 20 Jahre lang zu übernehmen.

Die Sanierung soll in fünf Bauabschnitten bewältigt werden, insgesamt 15 Jahre dauern und 585 Millionen Euro kosten. Die Vorplanung soll Ende des Jahres abgeschlossen sein, so dass in der zweiten Hälfte 2018 mit dem Bauen begonnen werden kann. Anfang 2022 soll der Neubau eröffnet werden. Die Architektengruppe Schweitzer + Partner aus Braunschweig plant derzeit den Bau.

Die Psychiatrie soll erst in Bauphase vier oder fünf saniert werden, die 40 zusätzlichen Betten sollen jedoch schon vorher aufgestellt werden, eventuell in Modularbauten. Wann genau, ist unklar. Kolat sagt: »Die Idee ist noch relativ frisch.«

Vivantes-Geschäftsführerin Andrea Grebe betont, dass der Krankenhauskonzern keine »Sonderrolle« beanspruchen wolle. Aber: »Die Sanierung der Klinik in Neukölln lässt sich nicht aus eigener Kraft leisten.« 115 Millionen Euro habe man schon gespart. Dass der Investitionsstau abgebaut wird, sei auch den Mitarbeitern zu verdanken, die jahrelang zum Sanierungstarif gearbeitet hätten.

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