Von Andreas Fritsche

Altnazi mit Blumenstrauß als Kopf

Jugendorganisationen von fünf Parteien präsentieren spezielles Plakat zur Bundestagswahl

Die Abgeordnete Isabelle Vandré (LINKE) bringt eins der Plakate vor dem Landtag an.
Die Abgeordnete Isabelle Vandré (LINKE) bringt eins der Plakate vor dem Landtag an.

Im grauen Anzug sitzt ein alter Herr, ein Bein über das andere geschlagen. Er hat keinen Kopf. Stattdessen ist bei ihm ein bunter Blumenstrauß zu sehen. »Bunt statt Grauland«, steht darüber. Und daneben: »Schöner leben ohne Nazis.«

5000 Plakate mit diesem Motiv sind gedruckt worden, finanziert von der Flick-Stiftung. Sie sollen vor der Bundestagswahl am 24. September über ganz Brandenburg verteilt angebracht werden und ein Bekenntnis der Jugend zur Demokratie darstellen.

Auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner haben sich die Jusos, die Linksjugend solid, die Junge Union, die Grüne Jugend und die Jungen Liberalen verständigt. Obwohl sie doch unterschiedliche politische Ansichten vertreten und ihre Differenzen im Bundestagswahlkampf auch deutlich unterstreichen werden, haben sie sich an einen Tisch gesetzt und recht schnell über diese Plakatkampagne verständigt. »Das ist toll«, betont Melanie Ebell, Geschäftsführerin des Landesjugendrings.

Am Dienstagvormittag hängt die Parteijugend von SPD, LINKE, CDU, Grüne und FDP eines der Plakate gemeinsam an eine Laterne vor dem Potsdamer Landtag. Während die anderen von unten festhalten, klettert die junge Landtagsabgeordnete Isabelle Vandré (LINKE) auf eine Trittleiter und zurrt zwei Plakate oben mit einem Kabelbindern fest.

Eine erste Plakataktion dieser Art hatte es in Brandenburg schon zur Landtagswahl 2014 gegeben. Damals diente eine junge Frau als Motiv zum Motto »Schöner leben ohne Nazis«. Diesmal ist es also ein alter Mann, den der Betrachter für einen Altnazi halten könnte oder aber für einen Politiker aus der Altherrenriege der AfD. Denn abgelehnt wird diesmal bewusst nicht allein die neofaschistische NPD. Waren es doch AfD, Pegida und Co., die insbesondere in den Jahren 2015 und 2016 für ein Klima sorgten, in dem Flüchtlinge und Asylheime angegriffen worden sind, wie die Linksjugend solid festhält.

Juso-Sprecher Michael Hantzsche verspricht, man werde das Bundesland »gegen all die Ewiggestrigen verteidigen, die unsere brandenburgische Vielfalt im Grau von Zukunftsangst und Menschenfeindlichkeit ersticken wollen«.

Meinungen, die von der vermeintlichen Mitte abweichen, seien nicht das Problem, finden die Jungen Liberalen. »Politischer Diskurs gehört zum Wesen der Demokratie und belebt das Geschäft.« Doch der Meinungsaustausch müsse im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stattfinden, und Gewalt gegen Personen oder Sachen sollte nicht zu den Mitteln der politischen Auseinandersetzung gehören. Die Jungen Liberalen seien gegen Rechtsextremismus, versichert deren Vizelandeschef Martin Pfisterer - und korrigiert sich schnell: »Gegen jeden Extremismus.«

Mit solchen Kleinigkeiten hält sich Julian Brüning, Landesvorsitzender der Jungen Union, nicht auf. Er äußert sich gleich pauschal gegen jeglichen Extremismus, fügt allerdings hinzu, dass größere Problem in Brandenburg sei bekanntlich der Rechtsextremismus.

Ein paar kleine Schwierigkeiten macht indessen auch der Sicherheitsdienst des Landtags. Denn der Landesjugendring kann für die Aktion am Landtag nur eine Genehmigung der Stadt Potsdam vorweisen und keine des Baukonzerns BAM oder der Parlamentsverwaltung. Plakate mit Klebeband ans Gebäude zu heften, wie es hier geschehen ist, sei eigentlich nicht erlaubt, belehrt ein Wachmann. Er lässt sich aber besänftigen. Melanie Ebell vom Landesjugendring verspricht ihm, wenn die von Journalisten gewünschten Interviews vor der Plakatkulisse gegeben sind, werde man alles rückstandsfrei entfernen. Das Landtagsschloss wurde mittels einer privat-öffentlichen Partnerschaft errichtet, so dass die Politik für viele Jahre nicht Herr im eigenen Hause ist, sondern lediglich Mieter.

Am Ende greifen ältere und jüngere Abgeordnete der Linkspartei zu, um ein Plakat für das Schaufenster ihres Wahlkreisbüros einzustecken.

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