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Die große Plünderung

»Entartete Kunst«

  • Von Dorothea Hülsmeier
  • Lesedauer: 2 Min.

Kandinsky, Nolde, Feininger, Barlach, Kirchner - dicht gedrängt und mit höhnischen Kommentaren versehen hingen die Meisterwerke der Moderne am 19. Juli 1937 in den Münchner Hofgarten-Arkaden. Für die Femeausstellung »Entartete Kunst« hatten die Nazis über 600 Kunstwerke aus deutschen Museen konfisziert. Mit dem Begriff »entartet« diffamierten sie den Kubismus, Expressionismus, Dadaismus, die Neue Sachlichkeit. »Wir sehen um uns herum diese Ausgeburten des Wahnsinns, der Frechheit, des Nichtskönnertums und der Entartung«, sagte damals der Maler und Präsident der NS-Reichskammer der bildenden Künste, Adolf Ziegler. Zeitzeugen erinnern sich, wie die Bilder bespuckt wurden.

Die Münchner Wanderausstellung »Entartete Kunst« markierte einen Wendepunkt in der NS-Kunstpolitik. Ab August 1937 wurden die Museumsbestände moderner Kunst fast vollständig geplündert. Insgesamt wurden fast 20 000 Werke von rund 1400 Künstlern aus mehr als 100 Museen und Sammlungen geholt. Die Kunst wurde verkauft, versteigert, zerstört. Das, was den NS-Diktatoren wertlos erschien, wurde 1939 in Berlin verbrannt. Die Folgen des Aderlasses sind bis heute zu spüren.

Eine einheitliche Linie bei der der Diffamierung der Künstler und ihrer Werke gab es offenbar nicht. Ein Gemälde von Lovis Corinth wurde in Düsseldorf erst beschlagnahmt, dann aber zurückgegeben. Das expressionistische Bild »Vier Mädchen« von August Macke wurde verschont.

Auch die Museen pauschal als Opfer der NS-Aktion zu sehen, wäre wohl zu einfach. Denn die Museen seien den Nazi-Kommissionen nicht nur ausgeliefert gewesen, sondern hätten auch selbst schon vorher mit der diffamierten Kunst gehandelt, sagt DuBois. Insgesamt wurden allein in Düsseldorf mehr als 1000 Kunstwerke beschlagnahmt. Nur in Berlin und Essen waren es noch mehr.

Aus dem Museum Folkwang verschleppten die Nazis rund 1400 Kunstwerke. »Die Sammlung des Folkwang ist heute ein Torso«, sagt Direktor Tobia Bezzola. Aber es gebe da »nichts zu jammern«. Auch das Folkwang sei nicht nur »Opfer«. Schließlich sei es eines der ersten Museen gewesen, das mit Klaus Graf von Baudissin einen SS-Offizier als Direktor installiert habe. Schon vor 1937 hatte Baudissin mit dem Verkauf eines Kandinsky-Bildes aus der Sammlung Dämme gebrochen. Das Folkwang sortierte 1937 dann als eines der ersten Häuser Werke für die von Baudissin mitinitiierte Münchner Femeschau aus.

80 Jahre nach der NS-Aktion »Entartete Kunst« holt die Geschichte die Museen nun durch den Fall Gurlitt wieder ein. Im Fundus des 2014 gestorbenen Cornelius Gurlitt tauchten zahlreiche 1937 konfiszierte Werke auf. Zusammengetragen hatte sie sein Vater Hildebrand Gurlitt. Er war einer der vier privilegierten Kunsthändler Hitlers, durfte die geächtete Kunst ankaufen und gegen Devisen im Ausland verkaufen.noch heute. dpa/nd

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