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»Ein Schnitzel ist ein Schnitzel ist ein Schnitzel.« Dieser berühmte Satz, geprägt von der US-amerikanischen Schriftstellerin Gertrude Steinpilz, lässt erahnen, dass es mit dem Schnitzel im Grunde kaum anders ist als mit der modernen Literatur: Man erkennt am besten an der Form, ob das Ergebnis gelungen ist.

Und wie der Stil der Wiederholung und Variation die literarischen Avantgarden der Nachkriegszeit kennzeichnet, so sind auch Wiederholung und Variation zentrale Momente in der Geschichte des Schnitzels: Essen kann man eigentlich immer eines (Wiederholung), vorausgesetzt es ist nicht schlampig und achtlos, sondern liebevoll und abwechslungsreich zubereitet (Variation). Vom Bewährten sollte jedoch nicht abgewichen werden: Kalbfleisch, Panade, Zitrone, Erdäpfelsalat (Essig/Öl). Das gibt es so beim »Mitterhofer«.

Der »Mitterhofer« in Kreuzberg ist eine Location, die man früher, als 17-Jährige das Wort noch kannten, wohl ein »Wirtshaus« genannt hätte, d.h. ein Ort, an dem gut gegessen und ausgewählten alkoholischen Getränken zugesprochen wird. Und zwar wohlgemerkt ohne dass dabei dem Gast mit konfektionierter Hupfdohlenmusik die Gehörgänge verseucht werden und ohne dass auf einem mutwillig neben den Gästen angebrachten Flachbildschirm ein Fußballspiel zu sehen ist, das von einem offenbar der deutschen Sprache unkundigen Geistesgestörten kommentiert wird. Die in vielen Lokalen sonst übliche Dauerbeschallung mit den »größten Hits der 70er, 80er und 90er Jahre« ist hier erfreulicherweise abgestellt. Und auch wer meint, er müsse beim Essen fortwährend in eine Glotze starren, muss dies wohl zuhause tun. Statt Rundumberieselung gibt es Schlichtheit: Holztische, Holzstühle, eine Holztheke. Unglaublich eigentlich, dass man derlei heute noch findet. Was es erfreulicherweise nicht gibt: Monoblockstühle, Plastiktinnef, affektierter Designquatsch. Die einzige Störung der Konversation kommt von den beiden Elendsgestalten am Tisch nebenan, einer Art Immobilienmafia in Paarform. Er: »Hier kann man noch deutlich was holen in dieser Ecke.« Sie: »Erst das Gesocks loswerden, das drinsitzt.«

Doch das hier ausgeschenkte, in süddeutschen Gegenden gebraute Bier (das diese Bezeichnung tatsächlich verdient, also kein in Berlin hergestelltes »Bier« ist) wird in formschönen bayerischen Krügen serviert. Und beim Schnitzel klebt die Panade nicht wie getrockneter Kleister auf dem Fleisch, sondern hat eine Konsistenz, in der Knusprigkeit und zarte Feuchtigkeit eine zunächst paradox scheinende, doch tatsächlich harmonische Einheit bilden: Beinahe löst die Panade sich an einigen Stellen von der geplätteten Fleischmasse und doch kann sie erkennbar nicht ganz von ihr lassen, sondern schmiegt sich sanft an sie. Ganz so, als wolle die perfekte Symbiose aus Ei und Semmelbrösel, eines der großen vom Menschen geschaffenen Kunstwerke, dem Esser mitteilen: »Ich bin die Attraktion, Schätzchen! Schab mich ab! Zerbeiß mich! Iss mich auf! Und lass den dummen Fleischklumpen liegen!« So gefällt mir das.

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