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Kraftklub-Sänger wegen Beleidigung angezeigt

Vorsitzender von Pro Chemnitz stellte Strafanzeige / Die Band plant bereits die Befreiung ihres Frontmanns

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 2 Min.

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Menschen, die gegen Ausländer hetzen, sind für die Band Kraftklub Vollidioten. Das belegen sie nicht nur durch zahlreiche Aktionen gegen Rechtspopulismus. In einem Schreiben, das der Sänger der Band Felix Brummer von der Polizei erhielt, wird er folgendermaßen zitiert: »Das geht übrigens auch raus an die ganzen Vollidioten, die sich 'ne ganze Weile (...) versammelt haben, von 'Pro Chemnitz' oder von Pegida oder wie die alle heißen. Fick Finger!« Die Aussage soll er bei einem Konzert in seiner Heimatstadt Chemnitz getätigt haben – und es bringt ihm jetzt Probleme mit der Justiz ein.

Am Montagabend veröffentlichte die Band den Screenshot eines Schreibens, in welchem Brummer darüber informiert wird, dass Anzeige gegen ihn wegen Beleidigung erstattet worden ist. Auf Facebook zeigte sich die Band wenig beeindruckt: »Wer holt mit uns Felix aus dem Knast?«, kommentierten sie das Schreiben der Polizei.

Strafanzeige gestellt hat Martin Kohlmann. Er ist der Vorsitzende der rechtspopulistischen »Pro Chemnitz«-Fraktion im Chemnitzer Stadtrat, die in der zitierten Aussage von Brummer als Vollidioten bezeichnet werden. Gegenüber dem Portal Tag24 äußerte Kohlmann, die Beleidigungen empfinde er als Verrohung der politischen Kultur. Wenn man eine ganze Gruppe von Menschen als Vollidioten bezeichnen würde, sei eine rote Linie überschritten. Gute Chancen rechnet er sich aber nicht aus. Kraftklub-Frontmann Brummer werde schon irgendeinen linken Staatsanwalt finden, der ihm helfe, meint er.

Bei den Stadtratswahl in Chemnitz 2014 schaffte es die rechtspopulistische Bewegung Pro Chemnitz mit 5,66 Prozent das erste Mal in den Stadtrat einzuziehen. Sie sind dort mit drei Mitgliedern vertreten. Im Unterschied zur NPD oder anderen rechten Parteien in Sachsen bekennt sich Pro Chemnitz nicht offen zu der Idee des nationalen Sozialismus. Gleichzeitig wird versucht, durch Vokabeln wie »Volkstod« oder der Rede von »Völkermassen fremder Ethnien, die ins Land geholt werden« an völkisch-nationale Diskurse anzuschließen. Pro Chemnitz mobilisiert vor allem mit dem Erhalt der deutschen Kultur, Hetze gegen MigrantInnen und eine herbei fantasierte »schleichende Islamisierung«. Ihr Vorsitzender Martin Kohlmann war früher für die Republikaner aktiv.

Die Chemnitzer Polizei hat Ermittlung wegen Beleidigung gegen Kraftklub-Sänger Brummer eingeleitet. Ob es zur Anklage kommt, entscheidet aber letztlich die Staatsanwaltschaft.

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