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Froome überlebt auch die Alpen

Der britische Titelverteidiger kontert alle Angriffe und bleibt Favorit der Tour de France

  • Von Tom Mustroph, Izoard
  • Lesedauer: 4 Min.

Chris Froome ist auf die Zielgerade zur Titelverteidigung eingebogen. Der Brite ließ sich auch am Izoard nicht entscheidend von seinen Rivalen distanzieren und geht am Samstag aller Voraussicht nach mit 23 Sekunden Vorsprung in das Zeitfahren von Marseille. Dort ist er favorisiert, und somit gilt der Brite weiterhin als erster Anwärter auf den Gesamtsieg der Tour de France.

Eigentlich hätte diese Etappe mit Ziel am Col d’Izoard der Tag des Rigoberto Uran sein müssen. »Wenn man die Tour gewinnen will, muss man heute etwas zeigen«, meinte der Kolumbianer vor dem Start des 18. Tagesabschnitts in Briancon zu »nd«. Uran, den man wegen seiner ausgeprägten Unterlippe auch den »Mick Jagger des Radsports« nennt, hätte sich am Donnerstag besondere »Satisfaction« auch deshalb gewünscht, weil die entscheidende Touretappe auf den Nationalfeiertag seines Heimatlandes fiel. Zusätzlich motiviert waren daher auch die Fans aus Südamerika. »Rigo, Rigo«, rief ausdauernd eine Gruppe von Kolumbianerinnen und Kolumbianern am Bus von Cannondale, und unterstützte die Rufe mit Trommelrhythmen.

Die Fanabordnung reist die kompletten drei Wochen der Tour hinterher. »Wir kommen aus Medellin, und wir wollen unseren Fahrern beistehen: im Guten wie im Schlechten«, meinte eine in die Landesfahne gehüllte Frau zu »nd«. Einige Mitstreiter haben sich tatsächlich am Bus der Mannschaft Movistar aufgebaut und feuern Nairo Quintana an, den aus den besten Zehn herausgefallenen früheren Mitfavoriten. Andere fanden sich am Trek-Bus ein: bei Jarlinson Pantano, dem Helfer des Spaniers Alberto Contador.

Die meisten aber sind bei Cannondale, bei Uran. Denn im Guten lässt es sich doch besser anfeuern als im Schlechten. Landsmann Uran rutschte allein durch eine bis dato fehlerlose Leistung vor der letzten Bergetappe plötzlich in die erste Herausforderposition. Fabio Aru (Italien) ließ Federn am Galibier, der Franzose Romain Bardet kam dort trotz Teamvorbereitung nicht entscheidend weg. Uran war nicht abzuschütteln. Er sicherte sich sogar Bonussekunden für den zweiten Platz auf der Etappe und war plötzlich Gesamtzweiter hinter Froome. »Rigo ist einer tollen Verfassung. Wir als Team können ihm leider nicht die Unterstützung geben, die einige seiner Rivalen haben. Aber er bleibt auch dann, wenn es eng wird, immer entspannt und trifft gute Entscheidungen. Das färbt dann auf die gesamte Mannschaft ab«, berichtete Urans Sportlicher Leiter Andreas Klier.

Um Froome das erste Mal richtig in Bedrängnis zu bringen, hatte Cannondale am Donnerstag dann immerhin drei Helfer in der großen, zunächst 54 Fahrer fassenden Fluchtgruppe des Tages untergebracht. Sie sollten ihrem Anführer auf dem Izoard als Relaisstationen dienen.

Der Plan sah lange Zeit auch gut aus. Team Sky verbrauchte schnell ungewöhnlich viele eigene Helfer an der Spitze des Hauptfeldes beim Versuch, die Ausreißer nicht zu weit davon fahren zu lassen. Sky bekam dann aber Unterstützung vom deutschen Team Bora hansgrohe, was zu großem Rätselraten über mögliche Absprachen beider Rennställe einlud. Mit dem Gesamtklassement hat Bora seit dem Ausstieg des Kapitäns Rafal Majka nichts mehr zu tun. Fahrer in der Ausreißergruppe hatte die Mannschaft zwar nicht platzieren können. Der Abstand schien mit acht Minuten aber auch zu weit, als dass es sich lohnen würde, die Gruppe schnell wieder einzufangen.

Froomes Teamkollegen konnten dank der Hilfe ein wenig durchatmen. Dann kam eine Beschleunigung der Mannen um Romain Bardet. Sky ließ etwas Federn, aber vor allem mussten einige der im Hauptfeld verbliebenen Helfer Urans abreißen lassen. Froome war von alldem noch nicht erschüttert.

Am Fuße des Izoard war das Fahrerfeld um die Favoriten nur noch auf 30 Mann reduziert. Ag2R, das Team des Publikumslieblings Bardet, führte die Fahrer in die Serpentinen hinein. Die Franzosen konnten ihr hohes Tempo aber nur bis sieben Kilometer vor dem Gipfel durchhalten. Dann übernahm Froomes Mannschaft. Und attackierte selbst! Erst fuhr Helfer Mikel Landa davon, dann der Chef. Bardet kam noch einmal heran und gewann den Sprint um Etappenplatz drei hinter Landsmann und Tagessieger Warren Barguil. So machte er vier Sekunden gut.

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