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Im längsten Tierkorridor der Welt

Das bayerische Haidmühle gilt als Vorbild für andere Gemeinden am Grünen Band Europa

  • Von Uwe Kraus, Haidmühle
  • Lesedauer: 4 Min.

Sie gehören zu den Perlen am Grünen Band Europa: die Wasserbüffelherde auf den Feuchtwiesen am Flüsschen Maltsch in Oberösterreich, das seit 1838 bestehende erste Urwaldreservat Böhmens im Sophienurwald und die Armblütige Segge auf einer moorigen Wiese bei Haidmühle. Die Idee für dieses grenzübergreifende Naturschutzgebiet stammt aus dem Jahr 2002. Heute zieht sich das über 12 500 Kilometer lange Grüne Band Europa entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer und stellt ein Refugium für die Natur dar: Bedrohte Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten können hier noch überleben.

Der 346-Kilometer-Abschnitt entlang der Grenze zwischen Bayern und Tschechien und im Dreiländereck Bayern-Tschechien-Österreich gilt als Zentralbereich dieses längsten Lebensraumverbundes der Welt. Er ist Rückzugsort und Ausbreitungskorridor für gefährdete Arten wie Waldbirkenmaus, Birkhuhn, Auerhuhn, Dreizehenspecht, Schwarzstorch, Fischotter und Luchs. Auch der Elch wandert aus Tschechien übers Grüne Band nach Bayern und Österreich ein.

Wie soll es in Zukunft weitergehen? Hubert Weiger, 1. Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern (BN), hält die von der Bayerischen Staatsregierung unlängst in Aussicht gestellte Machbarkeitsstudie zum Grünen Band Oberpfalz für einen wichtigen Beitrag, den Lebensraumverbund zu erhalten und zu entwickeln. »Wir begrüßen dieses Engagement sehr und regen an, langfristig ein grenzübergreifendes Gesamtkonzept für das Grüne Band Bayern-Tschechien gemeinsam mit den tschechischen Naturschutzbehörden und- verbänden zu erarbeiten und umzusetzen. Das ist ein Beitrag, diese für Zentraleuropa wichtige Biotopverbundachse weiter zu entwickeln.«

Der BN hat dort bislang rund 90 Hektar wertvolle Moorflächen, naturnahe Fließgewässer und Feuchtwiesen angekauft und damit langfristig für den Naturschutz gesichert. Laut aktueller Europäischer Roter Liste sind Moore und Sümpfe die am stärksten gefährdeten Lebensräume des Kontinents. »Der Grunderwerb ist oft der einzige Weg, die Lebensräume und Arten langfristig zu schützen«, berichtet Peter Mayer, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Freyung-Grafenau. »Wertvolle Komplexe aus Mooren und Feuchtwiesen wie an der Kalten Moldau, direkt an der bayerisch-tschechischen Grenze, beherbergen gefährdete Arten wie den Sonnentau, den Hochmoorgelbling oder die Kreuzotter. Zudem sind sie als Kohlendioxid-Speicher von besonderer Bedeutung für den Klimaschutz.«

Das Klimaprogramm Bayern (KLIP) förderte so den Ankauf einer Moorfläche bei Hinterfirmiansreut am Grünen Band Bayern-Tschechien. Der tschechische Wildbiologe Karel Kleijn verweist darauf, dass Moore in Zentimetern abgebaut werden, aber nur millimeterweise wachsen. Er zeigt stolz die seltene Armblütige Segge und berichtet, dass eines der Sorgenkinder des Naturschutzes - die Kreuzotter - an der Kalten Moldau trotz allgemeinen Rückganges in der Population noch in einer so hohen Dichte zu finden sei, dass ihr Überleben sichergestellt werden kann. Die Gemeinde Haidmühle habe zusammen mit der tschechischen Nachbargemeinde Stozec ein dauerhaftes Kreuzotter-Artenschutzprojekt ins Leben gerufen.

Kleijn weiß aber auch, dass der Schutz dieser Giftschlange der Bevölkerung schlechter zu vermitteln sei als der eines seltenen schönen Blümchens. »Sie zählt halt nicht unbedingt zu den Kuscheltieren, aber sie gehört neben vielen anderen bedrohten Pflanzen und Tieren auch in unsere Kulturlandschaft.«

Die European Green Belt Association ehrte die rund 1300 Einwohner zählende Gemeinde Haidmühle in direkter Nachbarschaft zum grenzübergreifenden Nationalpark Bayerischer Wald/Šumava 2015 als erste »Modellgemeinde am Grünen Band Europa«. Dort entwickelte sich ein vielfältiges Engagement, von der Biotoppflege bis zur kreativen künstlerischen Auseinandersetzung mit der Heimatgeschichte. Haidmühle habe Vorbildfunktion für andere Gemeinden entlang des Grünen Bandes Europa, so der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Seit Juli trägt auch die oberösterreichische Gemeinde Leopoldschlag dank ihres jahrzehntelangen Engagements für das Natura-Gebiet Maltsch am Grünen Band Österreich-Tschechien diesen Titel. »In Kooperation mit dem Naturschutzbund und dem Land Oberösterreich«, erklärt Liana Geidezis, »wurde von der Gemeinde 2006 das erste Informationszentrum zum Grünen Band Europa eröffnet und es werden modellhafte Projekte, wie das Beweidungsprojekt von Feuchtgebieten mit Wasserbüffeln, umgesetzt.« Geidezis ist Regionalkoordinatorin für Zentraleuropa und 2. Vorsitzende der European Green Belt Association. Sie betont: »Die Grüne Band Europa Initiative steht modellhaft für die grenzübergreifende Zusammenarbeit von 24 Anrainerstaaten und 150 Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen. Nur so kann das Grüne Band als Rückgrat einer europäischen ›Grünen Infrastruktur‹ erhalten und entwickelt werden.«

Mehr Informationen im Internet unter: www.europeangreenbelt.org

Fotos: imago/blickwinkel

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