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Eigentlich überflüssig

Jürgen Amendt über das Erfolgsgeheimnis der privat finanzierten Nachhilfe

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Lesen Sie im aktuellen Wochen-nd: Nachhilfeunterricht ist zum lukrativen Geschäft privater Anbieter geworden, das gerade zum Beginn der Sommerferien boomt.

Einige Legislaturperioden später ist von dem Versprechen nicht viel geblieben. Zwar gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Ganztagsschulen, doch die meisten Einrichtungen bieten kaum mehr als Nachmittagsbetreuung. Hausaufgaben gibt es immer noch, und spätestens in den weiterführenden Schulen geht es vielfach nicht mehr ohne Nachhilfe.

Das größte Problem aber ist nicht struktureller Art. Selbst eine Ganztagsschule mit einem sehr guten pädagogischen Angebot kann eine systemische Ursache nicht beheben: Viele Schüler erhalten selbst bei guten Noten zusätzlich privat finanzierten Unterricht. Spätestens am Ende der Grundschulzeit haben die bildungsaffinen Eltern gemerkt, dass Nachhilfe die Chancen des Nachwuchses auf einen Schulplatz am nachgefragten Gymnasium mit dem schmucken, nach höherer Bildung klingenden Namen erhöht. Diese Schulen versprechen auf ihrer Website eine »exzellente, professionelle Betreuung« und werben mit den vielen Einser-Abiturienten. Der noch bei der Einschulung der Kinder auswendig aufgesagte Hauptsatz der Reformpädagogik, dass in der Schule kein Kind zurückgelassen, beschämt oder einem Leistungswettbewerb ausgesetzt werden darf und jedes individuell gefördert werden soll, ist dann vergessen, wenn es um die Sicherung des Distinktionsmerkmals Gymnasium geht. Dass ist das Erfolgsgeheimnis der privaten Nachhilfeinstitute.

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