Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Pokeropfer

Personalie

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 2 Min.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) unterbricht seinen Sommerurlaub, bestellt den türkischen Botschafter ein, verschärft die Reisehinweise für die Türkei. Denn: Deutsche Staatsbürger seien dort vor willkürlichen Verhaftungen nicht mehr sicher.

Der Auslöser der Krise war die weitere Verhaftung eines deutschen Staatsbürgers. Versuche, den Berliner Peter Steudtner auf diplomatischem Wege freizubekommen, waren zwei Wochen lang gescheitert.

Steudtner leitete ab dem 2. Juli auf der Insel Büyükada nahe Istanbul ein Seminar für türkische Menschenrechtsaktivisten zum sicheren Umgang mit Daten. Unterstützt wurde das Seminar von der niederländischen Entwicklungsorganisation HIVOS. Am Morgen des 5. Juli wurden die zehn Leiter und Teilnehmer des Seminars von der türkischen Polizei verhaftet, unter ihnen die Direktorin der türkischen Sektion von Amnesty International. Steudtner sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ihm wird die Unterstützung einer Terrorgruppe vorgeworfen. In türkischen Medien wird zudem behauptet, er sei Agent im Auftrag des britischen Geheimdienstes MI6.

Familie, Freunde und Auftraggeber von Steudtner zeigten sich fassungslos über diese Unterstellung. Das Auswärtige Amt nannte ihn einen »Streiter und Sprecher für die Menschenrechte und Demokratie«, Regierungssprecher Steffen Seibert bezeichnete die Haft als »ungerechtfertigt«.

Steudtner ist studierter Politikwissenschaftler. Für die deutsche Entwicklungsorganisation INKOTA arbeitete er mehrere Jahre als Referent für Mosambik. Anschließend machte er sich als Trainer, Fotograf und Dokumentarfilmer selbstständig. Er berät zu Antidiskriminierung, Gewaltfreiheit und dem Umgang mit Trauma in Konflikten. Mit der Türkei soll er sich bisher nicht beschäftigt haben. Er engagiert sich in der Gethsemanekirche in Berlin-Prenzlauer Berg, dem Stadtteil, in dem er mit seiner Lebenspartnerin und seinen zwei Kindern lebt. Bis zu seiner Freilassung will die Kirche jeden Donnerstag eine Andacht für ihn abhalten.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln