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IWF warnt vor sozialen Spannungen

Deutsche Wirtschaft wächst weniger als die im Euroraum

Washington. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht das weltweite Wirtschaftswachstum in seiner jüngsten Prognose auf stabilerem Fundament, warnt aber davor, dass die Wohlstandsgewinne nicht bei allen ankommen. Das könne soziale Spannungen verschärfen und Freihandelsgegnern Auftrieb geben, heißt es im IWF-Bericht vom Sonntag. Eine Politik aber, die auf heimische Vorteile setze, sei in bestem Fall ineffizient, im schlimmsten Fall »extrem schädlich für alle«, erklärte die internationale Organisation.

Chefvolkswirt Maurice Obstfeld erklärte, die Erholung der Weltwirtschaft, die der IWF bereits im April prognostiziert hatte, habe sich gefestigt. An den Zahlen vom Frühjahr änderte der Fonds allerdings nichts - wie im April erwarten die Wirtschaftswissenschaftler ein weltweites Wachstum von 3,5 Prozent in diesem und von 3,6 Prozent im kommenden Jahr.

Allerdings gibt es deutliche Verschiebungen: Das Wachstum in der Eurozone schätzt der IWF in diesem Jahr mittlerweile höher ein als noch im April (plus 0,2 Prozentpunkte), wofür besonders die Entwicklung in Spanien und Italien sowie in Deutschland und Frankreich verantwortlich ist. Wobei jedoch das hiesige Wirtschaftswachstum mit 1,8 Prozent in diesem und 1,6 im nächsten Jahr vermutlich unter dem Schnitt der Eurozone (1,9 und 1,7 Prozent) liegen wird. Deutlich nach unten korrigierte der Währungsfonds seine Erwartungen für das Wachstum in den USA (minus 0,2 Prozentpunkte) und in Großbritannien (minus 0,3 Prozentpunkte).

Das Wirtschaftswachstum sorge zwar dafür, dass die Arbeitslosigkeit zurückgehe, erklärte der IWF. Doch »das Lohnplus bleibt schwach«, wie Chefökonom Obstfeld sagte. Das verhindere nicht nur eine Verbesserung des Lebensstandards, sondern berge auch Risiken, dass sich soziale Spannungen verschlimmerten, die einige Wähler bereits in Richtung einer eher nach innen gerichteten Wirtschaftspolitik trieben. IWF-Chefvolkswirt Obstfeld warnte vor solchen Entwicklungen, ohne die USA oder Großbritannien zu nennen. AFP/nd Kommentar Seite 4

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