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Die Cholera auf dem Vormarsch

Ergebnislose Mahnungen der Hilfsorganisationen an Jemens Konfliktparteien

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Unerbittlich kämpfen die Konfliktparteien in Jemen gegeneinander, bombardiert die saudische Luftwaffe, immer noch, Ziele in den von den Huthi-Milizen kontrollierten Gebieten. Dutzende Menschen kommen dabei tagtäglich ums Leben. Der Bürgerkrieg hat zum Zusammenbruch der zivilen Infrastruktur und des Gesundheitssystems geführt.

Währenddessen ist mit der Cholera ein neuer Feind ins Land gekommen, der über die Linien des Konflikts hinweg alle betrifft: Auf mehr als 300 000 schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der Menschen, die bislang an der Erkrankung leiden, die schwere Durchfälle und Erbrechen verursacht und vor allem für Kinder, alte und geschwächte Menschen gefährlich ist. »Und dazu gehören momentan fast alle«, sagt UNO-Nothilfekoordinator Stephen O‘Brien. Denn auch Nahrungsmittel sind knapp und oft von schlechter Qualität; seit Monaten klagen UNO und WHO über eine riesige Zahl an Fehl- und Mangelernährten; in manchen Regionen herrschen entweder Hungersnot oder extreme Nahrungsmittelknappheit und auch dies über die Konfliktgrenzen hinweg.

Bis zu 16 000 Menschen sind seit Beginn des Krieges 2015 durch Kampfhandlungen gestorben; die Zahl der an Hunger, Fehl- und Mangelernährung Gestorbenen wird von der WHO auf mindestens 3000 geschätzt. Und an Cholera starben bislang mindestens 2000 Menschen.

Unermüdlich mahnen Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen seit Monaten, die Konfliktparteien müssten endlich die Zivilbevölkerung schützen - ergebnislos: In der vergangenen Woche bombardierte die saudische Luftwaffe in der Provinz Hudeida am Roten Meer gezielt Fischereihäfen und zerstörte eine große Zahl an Fischerbooten. Begründung: Diese Boote würden von den Huthi-Milizen und von Iran für den Waffenschmuggel genutzt, so ein Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums.

Belege dafür gibt es nicht; ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, das die saudischen Luftangriffe logistisch unterstützt, sagt, aus amerikanischer Sicht seien die Überwachungsmaßnahmen am Roten Meer ausreichend, um Waffenlieferungen zu unterbinden. Doch Druck übt man auch nicht aus, lässt das saudische Militär weitgehend gewähren, obwohl der Militäreinsatz schon seit Monaten als gescheitert gilt.

Zerstört wurde auch vielerorts das Stromnetz, das für die Gewinnung sauberen Trinkwassers erforderlich ist; zudem wurden 274 medizinische Einrichtungen beschädigt. Doch es sind nicht allein die Kämpfe, die für die Cholera, die Hungersnot verantwortlich sind: Weder die international anerkannte Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi, noch die Huthi-Milizen, die vom Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh unterstützt werden, können die öffentlichen Bediensteten bezahlen. In der Hauptstadt Sana‘a streikte deshalb zeitweise die Müllabfuhr; das Wetter tat dann das Übrige: Zuerst sorgte extreme Hitze dafür, dass der liegengebliebene Müll schnell verrottete. Dann schwemmten ungewöhnlich starke Regenfälle den Unrat über die Straßen und Plätze.

Hilfsorganisationen haben derweil weiterhin extreme Schwierigkeiten, Güter ins Land zu schaffen und sie dann dorthin zu befördern, wo sie gebraucht werden. Die saudische Marine erhält eine Seeblockade der von den Huthi-Milizen kontrollierten Gebiete aufrecht, fordert, dass Schiffe vor allem im von der Hadi-Regierung kontrollierten Aden anlanden. Doch von dort ist es ein weiter Weg zu den Menschen, die am stärksten betroffen sind. Die Transporte müssen eine Vielzahl von Checkpoints passieren; selbst kurze Strecken würden so mehrere Tage dauern, sagt O‘Brien.

Gleichzeitig ist das Misstrauen gegenüber den Helfern gestiegen, vor allem seit die »New York Times« Anfang Juni berichtete, dass ein Privatunternehmen, das für das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) und das Rote Kreuz in Jemen Hilfslieferungen koordiniert, gleichzeitig auch US-amerikanische Eliteeinheiten belieferte, die in Aden die Hadi-Regierung stützen sollten. Seitdem würden Hilfswerke besonders kritisch beäugt, sagt UNICEF-Sprecherin Najwa Mekki.

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