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Israel baut Metalldetektoren ab

Muslimische Verwaltung des Tempelbergs will Boykott zunächst fortsetzen

  • Von Oliver Eberhardt
  • Lesedauer: 2 Min.

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Schon am Dienstagmorgen hatten Arbeiter im Auftrag der Polizei die Geräte an den Eingängen zum Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt abgebaut. Zuvor hatten Israels Inlandsgeheimdienst und das Militär dazu gedrängt, einzulenken: Die Metalldetektoren seien unnötig; dass sie aufgestellt wurden, nachdem drei Palästinenser außerhalb des Tempelbergs zwei Polizisten getötet hatten, geht auf Forderungen der rechten Koalitionspartei »Jüdisches Heim« zurück, die der Siedlerbewegung nahesteht, und stets nach Wegen sucht, die Souveränität Israels über die Anlage zu erlangen. Ein nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 geschlossener Kompromiss sieht vor, dass Israel zwar die Hoheit über den Tempelberg hat, die Anlage aber - finanziell unterstützt durch Jordanien - von der muslimischen Organisation Wakf verwaltet wird. »Jüdisches Heim« möchte den Kompromiss kündigen.

Dass die Regierung nun, unter Protest von »Jüdisches Heim«, eingelenkt hat, liegt an der massiven Kritik aus der muslimischen Welt: Mit der Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien und Jordanien hatten sich alle Regierungen zu denen Israel offizielle oder semi-offizielle Beziehungen in der Region pflegt, kritisch geäußert; Jordanien, das eine enge Partnerschaft mit Israel pflegt, sich aber auch als Schutzmacht über den Tempelberg sieht, hatte sogar mit einem Abbruch der Beziehungen gedroht.

Verschärft wurde die Krise durch einen schweren Zwischenfall in Amman: Nachdem ein Jugendlicher einen Wachmann der israelischen Botschaft mit einem Schraubenzieher verletzt hatte, erschoss dieser den Jugendlichen und einen Unbeteiligten, floh in die Botschaft, woraufhin die jordanische Polizei das Gebäude umstellte, während Israels Regierungssprecher erklärte, es habe sich um einen Anschlag gehandelt. Tatsächlich hatte es zwischen dem Wachmann und dem Jugendlichen in einem Laden Streit gegeben. Erst nachdem der in Jordanien respektierte Nadav Argaman, Chef des Inlandsgeheimdienstes Schin Beth, persönlich einflog, entspannte sich die Lage.

Doch Israel musste nun sein gesamtes Botschaftspersonal abziehen, und verliert damit auch vorläufig einen für die Beobachtung der Ereignisse in Syrien extrem wichtigen Geheimdienstposten. Jordaniens Regierung machte am Dienstag deutlich, dass eine Entspannung auch von den Entwicklungen in Jerusalem abhängig ist. Denn statt der Detektoren sollen nun hoch entwickelte Kameras zum Einsatz kommen, und auch dies birgt Problempotenzial, denn die Wakf ist dagegen. Und Jordanien verlangt nun, an der Überwachung der Kameras beteiligt zu werden. Denn vor zwei Jahren hatte man die gemeinsame Kameraüberwachung vereinbart; damals scheiterte dies am Widerstand von »Jüdisches Heim«, wo man die jordanische Beteiligung als »geteilte Souveränität« kritisierte.

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