Terrorhelfer?

Personalie

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 2 Min.

Hat er den islamistischen Terror unterstützt oder nicht? Um diese Frage drehte sich seit fast einem Jahr der Prozess gegen den 36-jährigen Sven Lau vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf, der an diesem Mittwoch zu Ende gehen soll. Die Bundesanwaltschaft fordert sechseinhalb Jahre Haft für den Islamisten. Im Prozess sei deutlich geworden, dass er Kämpfer für den Dschihad in Syrien rekrutiert und islamistische Gruppen logistisch unterstützt habe. Laus Anwalt Mutlu Günal fordert einen Freispruch.

Bis vor etwa zehn Jahren führte Lau ein gewöhnliches Leben. Bei der Feuerwehr in seiner Heimatstadt Mönchengladbach war er als Brandmeister tätig, heiratete, ließ sich scheiden und heiratete wieder. Mittlerweile hat Lau fünf Kinder. Doch 2008 schied er aus der Feuerwehr aus, widmete sich ganz dem Islam, zu dem er schon während seiner Ausbildung konvertiert war.

Erst beschränkten sich Laus Aktivitäten auf Mönchengladbach, wo er einen islamischen Verein gründete und immer wieder salafistische Prediger einlud. Nachdem sich dort die Probleme mit Bürgern und Behörden häuften, dehnte Lau seine Aktivitäten aus. Er reiste mehrfach nach Ägypten und auch nach Syrien. Im Zusammenhang mit seinen humanitären Hilfsreisen in den syrischen Bürgerkrieg soll Lau 2013 islamistische Milizen unterstützt und deutsche Salafisten zur Ausreise bewogen haben. Ein erstes Verfahren vor dem Oberlandesgericht scheiterte im Frühjahr 2014, die Beweise gegen Lau waren nicht stichhaltig genug. Einer größeren Öffentlichkeit wurde Lau, der sich Abu Adam nennt, bekannt, als er mit einigen Anhängern als »Scharia-Polizei« durch Wuppertal und Düsseldorf zog. Die Salafisten wollten jugendliche Muslime vom Besuch von Spielhallen und Diskotheken abhalten und sie zum Verzicht auf Alkohol bewegen.

Nun sitzt Lau seit mehr als eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Als er in der vergangenen Woche seine letzten Worte im Prozess sprechen durfte, brach er in Tränen aus. Die Zeit in Haft hat ihm merklich zugesetzt. Er fühlt sich ungerecht behandelt.

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