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Erntefrisches aus Polen auf Grenzmärkten der Region

Polnische Bauern und Händler sind seit Jahren auf Wochenmärkten in Brandenburg vertreten - dort punkten sie heute vor allem mit Qualität

  • Von Anna Ringle und Monika Skolimowska
  • Lesedauer: 4 Min.

Grenzüberschreitendes Leben zwischen Deutschland und Polen zeigt sich bisweilen auch im Kleinen: etwa in einer Schale Erdbeeren. Landwirt Grzegorz Klocek und seine Frau Monika gehen mit prüfendem Blick durch die Felder hinter ihrem Hof. Hier, in dem kleinen polnischen Ort Boznów im Grenzgebiet, wachsen jede Menge Erdbeeren, Äpfel, Johannisbeeren und Pflaumen, die auf Wochenmärkten in Brandenburg zu kaufen sind. Polnische Händler und Bauern sind auf deutscher Seite der Grenze fester Bestandteil des Marktgeschehens.

Die Genossenschaft Deutsche Marktgilde, die auch Wochenmärkte in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, betreibt, spricht von gestiegenen Anfragen von polnischen Händlern in den vergangenen Jahren. Vor allem Obst, Gemüse und Spezialitäten wie Käse, Wurst und Süßigkeiten bieten diese demnach an.

Samstags beginnt der Tag für den Familienbetrieb der Kloceks schon sehr früh - es geht ins rund 90 Kilometer entfernte Cottbus auf den zentralen Oberkirchplatz. Rund eine Stunde Anfahrt bedeutet das. Mit dabei hat der polnische Obstbauer auch ein Schild, auf dem auf Deutsch steht: »Aromatische Erdbeeren. Direkt aus der Plantage«. In der Woche steuert Klocek auch andere brandenburgische Wochenmärkte an.

Nachdem Polen 2004 EU-Mitglied geworden war, hatten die Kloceks gehört, dass es in Brandenburg Bedarf für frische Ware aus Polen gibt, wie die Eheleute berichten. Sie probierten es in Cottbus aus. Das war vor zwölf Jahren. Heute macht der Umsatz auf brandenburgischen Märkten insgesamt 30 Prozent ihrer Erlöse aus. Das Kundenverhalten habe sich mit den Jahren verändert. »Früher konnten wir vor allem mit vergleichsweise günstigen Preisen punkten, die wir aber mit den Jahren an die deutschen angeglichen haben«, sagt Monika Klocek. »Jetzt geht es um Qualität und regionale Herkunft der Ware.«

Dass der Familienbetrieb die langen Fahrten nach Brandenburg auf sich nimmt, liegt auch an den höheren Preisen, die dort im Vergleich zu denen auf polnischen Märkten erzielt werden können, erläutern die Kloceks. Erleichtert habe ihren Einstieg auf dem deutschen Markt, dass Monika Klocek zeitweise in Cottbus studiert hat, Deutsch spricht und die Wege zu den Behörden kannte. Mit den Jahren habe es dann immer mehr polnische Händler und Bauern in die Stadt gezogen, so das Ehepaar.

Nach Angaben der Stadtverwaltung gibt es in Cottbus derzeit zehn polnische Markthändler. Sie bieten Obst, Gemüse, Blumen, Gestecke, Süßigkeiten sowie Milch- und Fleischprodukte an. Die Anfragen aus Polen bei der Kommune für einen Marktstandplatz seien im Jahresdurchschnitt etwa gleichbleibend, stiegen aber saisonal vor allem zu Beginn der Spargel- und Erdbeerzeit. Die Stadt befürwortet Stände polnischer Händler. So würden Angebotsvielfalt und -qualität positiv beeinflusst, teilte ein Sprecher mit.

In Mecklenburg-Vorpommern sind zum Beispiel in Greifswald regelmäßig polnische Händler anzutreffen, während es sie in kleineren Orten wie Pasewalk eher vereinzelt gibt. Konstant ist seit Jahren die Präsenz polnischer Händler an den Markttagen im sächsischen Bautzen. In Zittau verkaufen zwei polnische Händler auf dem Wochenmarkt. Aktuell gebe es keine größere Nachfrage aus dem Nachbarland nach Marktständen, heißt es in der Stadtverwaltung. Ausnahme sei der Weihnachtsmarkt, für den es mehrere Anfragen gebe.

Der Deutschen Marktgilde zufolge sind für polnische Händler solche Wochenmärkte attraktiv, die in einem bestimmten Radius um ihren eigenen Betriebsstandort herum liegen - also nicht zu weit entfernt sind. Die Anfahrt wäre nämlich sonst mit zu großem Aufwand verbunden.

Davon abgesehen ist offenbar auch nicht jeder Wochenmarktstandort in Grenznähe gut geeignet, um polnische Händler anzulocken. In Grenzstädten, die zudem über eine Straßenbrücke mit dem Nachbarland verbunden sind, gibt es nur wenige Anfragen. In Frankfurt (Oder) etwa gibt es derzeit gar keine polnischen Händler auf den Wochenmärkten. Vor kurzem habe es zwar einen Interessenten für den Verkauf von Obst und Gemüse gegeben, der aber an einem marktfreien Wochentag nach Frankfurt (Oder) kommen wollte, so die Stadt.

Auch in der Grenzstadt Guben (Elbe-Elster) ist es für das Ordnungsamt teilweise schwierig, Händler zu gewinnen, wie es in der Verwaltung heißt. Die Gubener könnten mit wenig Zeitaufwand nämlich direkt hinter der Grenze in Polen einkaufen. Trotzdem - seit Jahren gebe einen überschaubaren Stamm von polnischen Händlern auf den Gubener Wochenmärkten. dpa/nd

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