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Herzlichen, Hertha!

Gläsers Globus

  • Von Andreas Gläser
  • Lesedauer: 3 Min.

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Alte Dame, alte Dame; ick wünsch dir zum 125., wat du dir wünschst! Zum Beispiel nen DFB-Pokal, weil, wenn de irjendwann im Finale sein solltest, nach über drei Jahrzehnten mal wieda, erstmals in Berlin, dann her mit die Schale. Möglichst zu mein’ Lebzeiten, nich erst zu den darüber hinausreichenen von meem Neffen, der zu deine Rabauken zählt, mir aba vor Monaten fürt Halbfinale jegn Borussia Dortmund ne Karte an Land jezogn hat. Ick bin nämlich nich nur sein unböser Onkel, sondern och ’n verdienter Besucher vom dynamischen Unterklassenfußball.

Außerdem hab ick mir bei dir, olle Tante, jede Saison mal sehn lassn, und nich wejen dem Jegner, du Dampfer mit Kaffeemühlencharme. Erstmals ’89, an ’nem Spätsommerabend, 2. Lija, beim 3:2 jegn Blau-Weiß 90. Berliner Derby, jawoll. War besser als ditt 0:1 jegn MSV Duisburg. Da is man schon janz jerne wieder nach Hause jejang. Während der Wende warste irjendwie noch im Achtzijerjahreoberlijaloch. Hatte allet noch wat von Schotterplatz inna Laubenpieperkolonie. Aba Berlin hat zwee Krieje überstanden, jing also weiter. Und die 40 000 Zuschauer, die heute immer komm, kamen damals zu nem 0:0 jegn Bayern München. War wohl im trüben November.

Seit 20 Jahren is allet solider, meistens is Mai, och weil die Jugendlichen inna Ostkurve ne Menge Sound ins schwierije Rund jebracht ham. Zwischendurch hieß itt och ma: Du, uns Hertha, eine von du, mach ma Meista! Sollte aber nich sein, nich vor 2030/31. Und Chelsea London kommt och nich jedet Vierteljahr. Hertha inna Champions League, ditt gloobt dir keen Neffe. Na, ick wünsch dir och 'n flottet Fußballstadion für 50 000, eens in ditt gleich vülle mehr rin wolln, schon wejen der Stimmung. In so’n zu kleenet Stadion komm die janzn grün und rotn Neuberliner nich mehr rin. Jut so. Jastfreundschaft wird überbewertet. Die Ureinwohner müssn sich freun, Jesundbrunnen zuerst. Solange die Leute zu uns komm, ham se praktisch allet unterschriem. Ihre Kaffklubs aus Kindertagen könn se beim Heimaturlaub besuchn. Mönchengladbach, wat weeß ick. Jedenfalls klappt ditt och ma wieder mit ner schäbijen 1:0-Siegesserie, und dann jehste als Charlottenburger Schlossjespenst noch ma uff Europatour. Dann sacht sich jeder Harry, werf die Kutte an, schwank den Schlendrian. Aber mach ma nich zu sehr uff Kosmopolit, bleib immer 'n bisschen Wedding. Räum die Bundeslija uff, mach wat inna Bahn kaputt. Tritt ma Autospiejel ab, versteck Lolita schnell im Bad.

Na, diese Woche wird jefeiert, neulich mit den Sektschnorrern aus Politik und Presse, morjen mit den Bierbezahlern aus Lichtenberch und Liverpool. Wird ’n dramatischet 0:0. Kommt eijentlich och der rejierende Müller ins Stadion, um sich auspfeifen zu lassen? Ick jeh woanders hin, komme aba wieda kiekn, wenns unschick is. Für dir zieh ick mir och jerne ditt blau-weiß karierte Hemde an, wenn och ohne Abzeichen. Immerhin Style of Küchentischdecke. World Of Domäne Wedding. Wie jesacht, herzlichen Jlückwunsch, Hertha BSC!

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