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Alptraum im Het Kasteel

Die deutsche Nationalmannschaft der Frauen scheidet im EM-Viertelfinale gegen Dänemark aus

  • Von Frank Hellmann, Rotterdam
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Schlusspfiff war längst vorüber, da schlug Babett Peter immer noch die Hände vors Gesicht. Ging in die Knie und weinte in der Ecke des Het Kasteel bitterlich. So als sollten ihre Tränen den ohnehin von den tagelangen Regenfällen getränkten Rasen im Sparta Stadion in Rotterdam den letzten Rest geben. Nur mühsam ließ sich die Abwehrchefin der DFB-Elf in den Kreis führen, der sich nach dem Mega-Gau bei dieser Europameisterschaft eher halbherzig bildete. Mit einer 1:2-Pleite im Viertelfinale gegen Dänemark war das Schreckensszenario Wirklichkeit geworden.

»Das ist einfach ein ganz bitterer Moment - ähnlich wie 2011«, sagte die 29-Jährige. Allein dies Statement ließ die historischen Dimensionen der DFB-Auswahl erahnen. Genau wie bei der Heim-WM vor sechs Jahren sprangen deutsche Fußballerinnen bei dieser EM in den Niederlanden unter der Messlatte durch, die sie selbst gelegt hatten. Neben der Abwehrchefin, in der Ära unter Silvia Neid zur Welt- und Europameisterin und zuletzt sogar zur Olympiasiegerin gekürt, wirkten auch Anja Mittag oder Anja Schult völlig geschockt: Die Stürmerin kauerte im Strafraum, während auf der Gegenseite die Torhüterin hinters Tor trottete, um zwei Wasserflaschen umzutreten.

Die holprige Vorrunde hatte Warnsignale ausgesendet, die im Endeffekt nicht richtig ernst genommen wurden. »Die Enttäuschung ist sehr groß. Da hinterfragt man schon, was ist schiefgelaufen«, gestand Steffi Jones und gab sich irgendwann die Antwort selbst: »Der Siegeswille war nicht so groß wie der von Dänemark. Die ganze Art unseres Spiels war nicht souverän. Wir haben nicht über fünf Meter einen sauberen Pass gespielt.« Und damit ließ sich die erfolgreiche EM-Epoche - acht Titelgewinne, sechs in Folge seit 1995 - eben nicht fortführen.

Als die Bundestrainerin um kurz nach 14 Uhr zur Pressekonferenz erschien, wirkte sie zwar einerseits gefasst, andererseits doch regelrecht konsterniert. Das Hin und Her mit der Spielverlegung vom Vortag wegen Schlechtwetters gab letztlich ein Sinnbild für ihre Mannschaft, die in diesen 90 Minuten inklusive Nachspielzeit in der Hafenstadt all ihre Stärken und Schwächen aufführte.

Dabei hätte die deutsche Elf doch vom frühen Führungstor von Isabel Kerschowski profitieren können, als Dänemarks Torfrau Stina Lykke Petersen den Ball über die Linie bugsierte (3.). »Wir führen 1:0 - und spielen unsicher, mit vielen Ballverlusten«, bemängelte Jones. Und das Aufbauprogramm nahm der Favoritenschreck Dänemark dankbar an. Als die Schiedsrichterassistentin kurzzeitig die Fahne hob, schalteten Dzsenifer Marozsan und Isabel Kerschowski völlig ab, Stine Larsen flankte ungehindert und Anna Blässe zog im Kopfballduell gegen die entschlossene Nadia Nadim den kürzeren (49.). »Wir schlafen bei dieser Aktion«, analysierte Jones, während Peter noch deutlicher kritisierte: »Die Schiedsrichterin hatte richtig auf Vorteil entschieden. Wir waren zu unaufmerksam.« Und auch ein Stück weit naiv. Das frühe Aus im ersten K.o.-Spiel kam eben mit dieser Schlüsselszene nicht zufällig zustande.

Während das deutsche Team in einem wirren Schlagabtausch seine Chancen etwa zweimal durch Linda Dallmann nicht nutzte, setzten die Gegnerinnen durch den Kopfball der sträflich vernachlässigten Theresa Nielsen den Todesstoß. Damit wurde die Jones-Elf für eine erstaunliche Lücke in der Rückwärtsbewegung bestraft. Die Trainerin gab zu, dass die von ihr bevorzugte Rauten-Formation im Mittelfeld gewisse Risiken bietet, hatte die aber stets gebilligt.

Die seit nicht einmal einem Jahr amtierende Trainerin Jones kündigte außerdem eine umfassende Analyse an, vor der sie aber bereits die Bereitschaft erklärte, den Job fortzuführen. »Die Entscheidungsträger sitzen im DFB. Die werden in den nächsten Tagen mit mir zusammensitzen und entscheiden, wie es weitergeht«, sagte die in Frankfurt am Main Gebürtige und versicherte: »Meine Motivation ist da. Ich möchte gerne weitermachen.«

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