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Ronaldo erscheint vor Gericht

Anhörung zum Vorwurf des Millionen-Steuerbetrugs

  • Von Emilio Rappold, Madrid
  • Lesedauer: 3 Min.

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An diesem Tag wählte Cristiano Ronaldo den abgeschirmten Hintereingang durch die Garage des Gerichtsgebäudes in Pozuelo de Alarcón. Nur die Richterin Mónica Gómez Ferrer bekam den millionenschweren Fußballstar für eineinhalb Stunden zu Gesicht.

Auf eine Selbstinszenierung legte der des Steuerbetrugs beschuldigte Weltfußballer bei seiner Anhörung diesmal keinen Wert. So mussten sich mehr als 200 Journalisten aus aller Welt mit einem Sprecher begnügen. »Alles ist in Ordnung, Cristiano ist schon auf dem Weg nach Hause«, lautete dessen Botschaft. Die Auskunftsfreudigkeit hielt sich im Ronaldo-Lager in Grenzen. Dafür hätte es das eigens errichtete Pult nicht gebraucht. Schnell war seitens der Medien von einer »Schande« und einem »Ablenkungsmanöver« die Rede, nachdem der Sprecher von Ronaldos Manager Jorge Mendes, Iñaki Torres, schnell entschwand.

Es war wohl, wie die Madrider Sportzeitung »Marca« feststellte, Ronaldos »härtester Tag«. Steuerhinterziehung in Höhe von 14,7 Millionen Euro lautet der Vorwurf. Nach dem Termin hat Untersuchungsrichterin Gómez Ferrer, die in Justizkreisen als hart gilt, bis zu 18 Monate Zeit, um über die Eröffnung eines Strafprozesses gegen den 32 Jahre alten Champions-League-Sieger und Europameister zu entscheiden. Im Falle einer Verurteilung droht »CR7« eine mehrjährige Haftstrafe.

Viele Fußballstars und andere Berühmtheiten wie etwa die Opernsängerin Montserrat Caballé mussten in Spanien bereits wegen Steuerbetrugs auf die Anklagebank, so auch Ronaldos sportlicher Erzrivale Lionel Messi. Der Profi des FC Barcelona wurde wegen Hinterziehung von 4,1 Millionen Euro zu 21 Monaten Haft verurteilt. Sein Glück: Bei Strafen von bis zu zwei Jahren müssen nicht vorbestrafte Angeklagte in Spanien meist nicht ins Gefängnis.

Die Anhörung Ronaldos durch die Richterin fand zwar hinter verschlossenen Türen statt, sorgte aber dennoch für eine riesige Aufmerksamkeit. Vor dem Eingang warteten mehr als 200 Reporter und rund 40 Kameraleute aus mehr als 20 Ländern, darunter auch einige aus Deutschland, vergeblich auf den Profi. Kurz vor 11 Uhr durfte Ronaldo mit seinem Wagen durch eine Hintereinfahrt direkt in die Garage fahren.

In einer Mittelung des Gerichts gab sich Ronaldo indes als Saubermann. »Wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Berater darum bitte, dass sie immer alles pünktlich erledigen und alles korrekt zahlen, weil ich keine Probleme haben möchte«, sagte er in dem Kommuniqué. Er habe vor der Richterin auch die Anschuldigung zurückgewiesen, bei seinem Wechsel von Manchester United nach Spanien ein Unternehmensgeflecht zur Steuerhinterziehung geschaffen zu haben. »Als ich bei Real Madrid unterschrieben habe, habe ich keine spezielle Struktur kreiert, um meine Bildrechte zu verwalten. Ich habe vielmehr jene Struktur beibehalten, die ich schon in England hatte«, wird er zitiert.

Nach der Anzeige der für Wirtschaftsdelikte zuständigen Staatsanwaltschaft soll Ronaldo zwischen 2011 und 2014 Millioneneinnahmen aus Bildrechten »bewusst« am Fiskus vorbeigeschleust haben. Dafür habe der Teamkollege von Weltmeister Toni Kroos im Jahr 2010 - ein Jahr nach seinem Wechsel von Manchester United zu Real - auf den Britischen Jungferninseln und in Irland ein Unternehmensgeflecht geschaffen. Seine Anwälte haben diesen Vorwurf zurückgewiesen. Der Stürmer selbst hatte vor einigen Wochen erklärt, er habe »ein ruhiges Gewissen«. dpa/nd

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