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Andreas Koristka über die Lehre für die Autoindustrie aus der Dieselkrise und die Grenze des Misstrauens

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es war ein Schock, der größer ausfiel als ein Porsche Cayenne in einer viel zu kleinen Parklücke: Die deutschen Autohersteller sollen sich abgesprochen haben! Schlimmer noch: Sie haben uns Konsumenten jahrelang von vorn bis hinten bei allem Möglichen behumst! Wir Verbraucher ahnten nichts Böses, als wir in unsere SUVs stiegen und das Gaspedal durchdrückten, bis der geliebte Wagen im Qualm und Abrieb der Reifen versank. Naiv, wie wir waren, dachten wir gar, wir würden der Umwelt dabei Gutes tun. Denn wer, wenn nicht die deutsche Industrie, deutsche Ingenieure und deutsche Deutsche hätten es vermocht, geile Autos umweltfreundlich zu machen?

Nun ist dieser Traum zerplatzt wie der Reifen bei einem Burnout. Doch wie bitter muss das Aufwachen erst für die Raserszene sein? Sie muss sich jetzt darauf einstellen, dass ihr geliebtes Hobby vielleicht ein umweltschädliches ist, eines, bei dem sogar Menschen zu Schaden kommen können. Nein, man möchte dieser Tage wirklich kein Verkehrsrowdy sein! Die linken Autobahnspuren tragen zu Recht Trauer in Form schwarzer BMWs.

Doch unser aller Leid wiegt auf einmal viel weniger, wenn man sich den wahren Schaden der Manipulationen vor Augen führt. Den hat unsere Marktwirtschaft erfahren müssen. Ein zartes Pflänzlein, das leiden musste, weil skrupellose Konzernchefs mit der Politik kungelten. Jetzt ist das ganze Marktgleichgewicht im Arsch und es ist schier unmöglich, es einfach so hopplahopp wieder herzustellen (vgl. Milton Friedmann). Denn Preisabsprachen darf es natürlich nicht geben. Aus gutem Grund zahlt man daher in jedem Laden einen anderen Preis für gängige Produkte wie Zigaretten.

Jetzt gilt es eben zu retten, was zu retten ist. Die Industrie wird dabei manch bittere Kröte überfahren müssen. Schon schlagen der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer und sein niedersächsisches Pendant Stephan Weil vor, eine staatlich finanzierte Abwrackprämie einzuführen. Besitzer eines alten manipulierten Dieselfahrzeugs würden bei Verschrottung und Kauf eines neuen unmanipulierten (ganz dickes Indianerehrenwort) Dieselfahrzeugs eine Prämie erhalten. Die Industrie müsste im Gegenzug dafür unglaublich viele neue Autos bauen, verkaufen und das Geld behalten. Ein fairer Deal, der ihr eine Lehre sein soll!

Aber auch wir Verbraucher sollten unser Verhalten nebst unserem Verhältnis zur Politik überdenken. Denn das Verkehrsministerium scheint bei der Dieselaffäre keine gute Rolle gespielt zu haben. Vielleicht war unser Vertrauen in den grundehrlich wirkenden Alexander Dobrindt doch etwas zu blauäugig? Seine Designeranzüge sahen schon immer etwas befremdlich aus. Sie hätten einen skeptisch werden lassen können. Aber der Minister hatte eben auch diesen treuen Welpenblick. Es soll keiner sagen, er hätte Dobrindt nicht nach dem Spannen eines Hundenetzes im Kofferraum mitgenommen! Es soll auch niemand behaupten, er hätte dem Minister nicht einen Spalt breit das Beifahrerfenster herunter gedreht, bevor er ihn bei 35 Grad zwei Stunden lang auf einem sonnigen Supermarktparkplatz hätte warten lassen.

Jetzt steht dieser liebenswerte Mann im Sperrfeuer der Kritik, weil er zu industriefreundlich agiert haben soll. Aber letztlich hat er nur - wie wir alle - an die Ehrlichkeit der Autobranche geglaubt. Irgendwo hat Misstrauen nämlich Grenzen! Wenn wir nicht mehr an die Autoindustrie glauben würden, dann könnten wir genau so gut die Ehrlichkeit der Pharmaunternehmen anzweifeln. Oder die Redlichkeit der großen Waffenhersteller. Oder die Langfristigkeit von Sigmar Gabriels Abnehmerfolgen. Aber würden wir damit unser Deutschland nicht einfach nur kaputt machen? Wollen wir es bewahren, dann müssen wir endlich wieder vertrauen können. Wem das noch schwerfällt, der kann sich ja dazu zwingen, einen neuen Diesel zu kaufen.

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