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Bank of England wird bestreikt

Steigende Inflation führt zu Arbeitsausständen

Der Anblick ist ungewohnt: Inmitten der schneidig gekleideten Banker, Anwälte und Broker, die zu ihren Büros marschieren, haben sich rund zwanzig Gewerkschafter in roten Überjacken aufgestellt und skandieren: »Was wollen wir? Faire Löhne!« Hinter ihnen erhebt sich das mächtige Gebäude der Bank of England, im Londoner Finanzdistrikt. Es ist das erste Mal seit 50 Jahren, dass die Angestellten der britischen Zentralbank in den Streik treten.

Gouverneur Mark Carney habe ihnen keine Wahl gelassen, sagt Mercedes Sanchez, Regionalvorsitzende der Gewerkschaft Unite, die unter den Angestellten der Bank viele Mitglieder zählt - Sekretäre, Ökonomen, technische Mitarbeiter, Sicherheits- und Empfangspersonal. »Das Problem ist, dass die Bank sich weigert, mit den Angestellten über faire Bezahlung zu diskutieren.«

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren sind die Löhne um maximal ein Prozent heraufgesetzt worden, und laut Sanchez hat ein Drittel der Belegschaft gar keine Lohnerhöhung erhalten. Die Bank folgt damit der Gehaltsdeckelung für öffentliche Angestellte, obwohl die Bank nicht zum öffentlichen Sektor. »Die Inflation liegt bei 2,6 Prozent. Das heißt, dass wir in Wirklichkeit weniger Geld bekommen«, sagt Sanchez.

Die Angestellten der Bank sind nicht die einzigen, die sich wehren. So legte etwa das Putz- und Sicherheitspersonal in Krankenhäusern im Osten Londons die Arbeit für eine Woche nieder; das Bordpersonal der Fluggesellschaft British Airways streikt seit zwei Wochen; und die Angestellten der Steuerbehörde protestierten am Montag gegen die Lohnzurückhaltung im öffentlichen Sektor.

Vergangene Woche erzielte die britische Arbeiterbewegung einen wichtigen Sieg: Der Supreme Court, das höchste Gericht im Land, entschied, dass die Gebühren für Arbeitsgerichte illegal sind. Die Regelung war vier Jahre zuvor eingeführt worden: Wenn eine Angestellte gegen ihren Chef klagte, musste sie Gerichtskosten von bis zu 1200 Pfund bezahlen. In den folgenden Jahren fiel die Zahl solcher Fälle um fast 80 Prozent.

Unison, die zweitgrößte Gewerkschaft Großbritanniens, klag-te gegen die Regierung und warf ihr vor, die Rechte von Geringverdienern einzuschränken - und der Supreme Court stimmte ihr zu. »Wir werden nie wissen, wie viele Leute zu kurz kamen, weil sie die Kosten nicht tragen konnten«, sagte Dave Prentis, Generalsekretär von Unite, nach dem Urteil.

Die Zuversicht der Gewerkschaften ist auch auf Grund des Erfolgs des politisch links orientierten Vorsitzenden der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, gewachsen: Die Parteiführung hat den Streikenden ihre Unterstützung zugesagt, ihr Schattenfinanzminister John McDonnell ist oft bei Streikposten zu sehen - so auch am Dienstag vor der Bank of England.

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