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Eine WM als Abschiedsvorstellung

Am Freitag beginnen die Weltmeisterschaften der Leichtathleten - zu letzten Mal mit Usain Bolt, zum ersten Mal ohne eine eigene Mannschaft aus Russland

  • Von Dominik Kortus und Christoph Leuchtenberg
  • Lesedauer: 3 Min.

Superstar Usain Bolt will mit einer letzten Show und Doppel-Gold in Rente gehen, den deutschen Leichtathleten bleibt beim finalen Auftritt des Jamaikaners nur eine Nebenrolle. Auch wenn die deutschen Speerwerfer um Olympiasieger Thomas Röhler und den deutschen Rekordler Johannes Vetter selbst Historisches schaffen können - der Hype um Bolt wird die am Freitag startende Leichtathletik-WM in London (4. bis 13. August) prägen.

Vor dem Schlussakt seiner sagenhaften Karriere ist »King Usain« die Ruhe selbst. »Welche Schlagzeile ich nach der WM lesen möchte?«, stellte er sich die Frage und antwortete gleich selbst: »Usain Bolt ist ungeschlagen auf einer Einzelstrecke in den Ruhestand gegangen. Ungeschlagen, unaufhaltbar - das würde mir gefallen.«

Dann wäre am Ende der WM zu seinen acht Olympiasiegen und elf WM-Titeln ein weiterer großer Triumph hinzugekommen. Zudem steht noch der Staffelauftritt über 4x100 m auf seinem Abschiedsprogramm. Doch Bolt ist längst nicht mehr der unumschränkte Herrscher wie in den vergangenen Jahren. Bei seiner Generalprobe in Monaco kämpfte sich der Weltrekordler (9,58 Sekunden) über 100 m mühsam unter die 10-Sekunden-Marke (9,95).

Die Gefahr, dass sich der 30-Jährige mit einer Niederlage verabschiedet, besteht, obwohl Andre De Grasse (Kanada) als einer seiner ärgsten Konkurrenten verletzungsbedingt nicht starten kann. Auf seine Lieblingsstrecke 200 m verzichtet Bolt in London ganz, somit wird das 100-m-Finale am Samstagabend in die Sportgeschichte eingehen - ganz gleich, wie es endet.

Auf eine ähnliche Dimension hoffen die deutschen Speerwurf-Asse eine Woche später. Röhler, Vetter und Andreas Hofmann gehen als Nummer eins, zwei und drei der Welt in den Wettstreit um Gold: Ein komplett deutsches Podium ist im Bereich des Möglichen. »Wir hätten nichts dagegen, drei Medaillen zu holen«, sagte Röhler. Ansonsten sind aus deutscher Sicht die großen Medaillenhoffnungen in diesem Jahr rar gesät. Acht Medaillen wie 2015 in Peking wären eine riesige Überraschung.

Die internationale Konkurrenz ist wieder extrem stark, Speerwerfer Johannes Vetter und Zehnkämpfer Rico Freimuth (8663 Punkte) führen als einzige DLV-Asse die Jahres-Weltbestenliste an. Aussichtsreich starten Siebenkämpferin Carolin Schäfer sowie Freimuths Disziplinkollege Kai Kazmirek. Diskus-Star Robert Harting ist diesmal eher Jäger.

Allerdings fehlen einige fast schon natürliche Medaillenkandidaten. Die Weltklasse-Athletinnen Betty Heidler (Hammer) und Christina Obergföll haben ebenso ihre Karriere beendet wie Linda Stahl (beide Speer). Zudem ist Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz nach der Geburt ihrer Zwillinge nicht dabei, Hürdensprinterin Cindy Roleder muss verletzt passen. Rio-Olympiasieger Christoph Harting und Daniel Jasinski, der in Brasilien Bronze gewann, schafften nicht einmal die Quali.

Und nicht zu vergessen: Der bei Olympia 2016 fast komplett fehlende und immer noch suspendierte russische Verband ist wieder mit dabei. Zumindest 19 Sportler mit Sondergenehmigung. Diese heißen zwar nicht offiziell Russen sondern »neutrale Athleten«, sind aber de facto ein Team unter dem russischen Chefcoach Juri Borsakowski.

Auch wenn keine Landesflagge zu sehen, keine Hymne zu hören sein wird - still und leise ist Russlands Leichtathletik zurückgekehrt und hat vor allem durch Hochspringerin Marija Lasizkene, unter ihrem Mädchennamen Kutschina 2015 Weltmeisterin, beste Titelchancen.

Mit Spannung wird auch der Auftritt des zu Bolts designiertem Nachfolger auserkorenen 400-m-Weltrekordler Wayde van Niekerk erwartet. Der Südafrikaner peilt das erste Gold-Double aus halber und ganzer Stadionrunde seit Michael Johnson 1995 an.

An den Glamour-Faktor eines Bolt wird der leise van Niekerk allerdings wohl nie heranreichen. Von den weiteren großen Namen der Wettkämpfe in London kommt dem am ehesten noch Mo Farah nahe: Der britische Topstar peilt das fünfte 5000/10.000-m-Double in Serie an (nach Olympia 2012/2016 und den Welzmeisterschaften 2013/2015). SID

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