Totalausfälle bei der Ernte zu befürchten

Schweriner Ministerium sieht Bauern vor »Fiasko«

Schwerin. In Mecklenburg-Vorpommerns Agrarministerium zieht man angesichts der anhaltend feuchten Witterung bereits Parallelen zum Regensommer 2011 und sieht die Bauern im Nordosten vor einem neuerlichen »Fiasko«. Zwar sei die Situation noch nicht so dramatisch wie vor sechs Jahren, als ganze Landstriche tagelang unter Wasser standen. Doch erinnerten vielerorts Bestände und Bodenverhältnisse an das Jahr 2011. Die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden sei erreicht, die Befahrbarkeit der Felder fast überall nicht mehr gewährleistet, hieß es in Schwerin. Auch für Donnerstag waren vielerorts im Nordosten wieder starke Niederschläge angekündigt.

Nach Ansicht von Agrarminister Till Backhaus (SPD) müssen die bisher optimistischen Ernteschätzungen nach unten korrigiert werden. Sollte die nasse Witterung noch länger anhalten, seien partielle Totalausfälle nicht auszuschließen. Auf einigen Getreide- und Rapsschlägen breiteten sich als Folge der anhaltenden Nässe zunehmend Schwärzepilze aus. Da die Feldfrüchte feucht gedroschen würden, drohten den Bauern hohe Kosten für die nachträgliche Trocknung mit Gebläsen. Qualitätsabstufungen und damit geringere Preise seien zu befürchten.

»Sobald es die Wetterlage irgendwie zulässt, fahren die Landwirte mit ihren Maschinen auf die Felder und versuchen, die Arbeit eines ganzen Jahres zu retten«, sagte Backhaus. Er appellierte an Einheimische und Touristen, Verständnis und Rücksicht zu zeigen, wenn Landwirte auf den Straßen unterwegs sind und bis spät in die Nacht arbeiten. »Hier geht es um unsere Lebensmittel und für viele Landwirte um die Existenz«, betonte der Minister, der wegen Gesundheitsproblemen alle Termine für die nächsten Tage abgesagt hat.

Bereits zu Wochenbeginn hatte das Statistikamt in Schwerin in seiner ersten amtlichen Ernteschätzung für dieses Jahr die noch vor kurzem überschwänglichen Erwartungen gedämpft. Während die Wintergerste zum Großteil noch vor dem Dauerregen mit überdurchschnittlichen Erträgen von 76 Dezitonnen pro Hektar eingebracht worden sei, zeichne sich für Weizen und Raps, den dominierenden Feldfrüchten im Nordosten, bestenfalls ein durchschnittliches Ertragsniveau ab.

Insgesamt wurden im Nordosten auf 362 000 Winterweizen, auf 223 800 Hektar Raps und auf 121 600 Hektar Wintergerste ausgebracht. Dazu kommen beim Getreide Roggen und Hafer. Auch im Futterbau sei die Lage ernst. Viele Niedermoorflächen seien überschwemmt und so für Wochen nicht befahrbar und auch nicht als Rinderweiden nutzbar. Besonders Mutterkuhhalter könnten größere Versorgungsengpässe beim Grundfutter bekommen. dpa/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung